Erinnerung an das „Todesspiel von Kiew“. Perspektiven für eine Erinnerungsforschung zu Sport in Osteuropa[1]

 

Zusammenfassung

Seit den 1980er Jahren sind Erinnerung und das kollektive Gedächtnis Kernthemen historischer und kulturwissenschaftlicher Forschung. Dennoch ist Sport in Osteuropa ein Randthema dieser Erinnerungsforschung geblieben.

In einer Fallstudie zeigt der Beitrag wie ein Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer ukrainischen Mannschaft 1942 im besetzten Kiew in der populären sowjetischen Erinnerung zum „Todesspiel“ wurde. Dabei lässt sich in den verschiedenen Phasen sowjetischer Nachkriegsgeschichte aufzeigen, wie die Erinnerung an das „Todesspiel von Kiew“ ausgehandelt wurde und den jeweiligen Bedürfnissen und Möglichkeiten sozialistischer Öffentlichkeit und Gesellschaft unterlag. Besonders Massenmedien wie Jugendromane, Filme oder Zeitungen trugen dazu bei, dass sich eine Erzählung des Spiels etablierte, die sich in eine an Heldenmut und antifaschistischen Kampf orientierte sowjetische Kriegserinnerung einpasste. Dennoch bot das „Todesspiel“ auch für nicht-hegemoniale Erinnerungsgruppen, wie die Bevölkerung der Stadt Kiew oder Anhänger des Fußballklubs „Dynamo“, Identifikationspotential. Dies zeigt beispielhaft auf, dass Erinnerung dynamisch und plural betrachtet werden muss.

Folglich bietet die Untersuchung von Sport und Erinnerung in Osteuropa die Möglichkeit alltagskulturelle Phänomene und autoritär regierte Gesellschaften zu untersuchen und damit einen innovativen Beitrag zur Erinnerungsforschung zu leisten.

 

Summary

Since the 1980s collective memory is a major topic of historical and cultural studies. However, this does not include Sports in Eastern Europe.

In a case study this article analyses how a football match between a German and a Ukrainian side in occupied Kiev in 1942 was narratively turned into a “death match”. Following different stages of Soviet post war history the negotiations of this narrative reflect upon the requirements and possibilities of a socialist public sphere and society. In particular mass media, such as youth novels, films and newspapers, strengthened a narrative that was integrated into the Soviet memory of war and shaped by its traits of heroic and antifascist struggle. Nevertheless the “death match” also allowed non-hegemonical commemorating groups to arise or consolidate, e.g. as inhabitants of Kiev or supporters of the football club “Dynamo”. Consequently memory calls for a thorough scrutiny of its inherent plurality and dynamics.

Sports and memory in Eastern Europe thus open up multiple opportunities to examine popular culture and authoritarian societies contributing to the field of memory studies in general.

 

„Für unser wunderschönes Heute / Fielen sie im Kampf ... / Euer Ruhm wird auf Jahrhunderte nicht verlöschen / Ihr furchtlosen Sportler und Helden.“[2]

Diese Worte des ukrainischen Dichters Stepan Olijnyk über das „Todesspiel von Kiew“ sind heute am Eingang des Kiewer Start-Stadions zu lesen und weisen den Besucher auf die Bedeutung und Geschichte dieses Ortes hin. Auf diese Weise ist das Gedicht exponierter Teil eines Diskurses, der ein Fußballspiel zwischen einer ukrainischen und einer deutschen Mannschaft im besetzten Kiew des Jahres 1942 als Erinnerungsort etablierte, sowohl im Kontext des Sports als auch darüber hinaus.

Längst haben die Begriffe sozialer Erinnerung und eines kollektiven Gedächtnisses Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch gehalten und sind nicht mehr nur Aspekte eines wissenschaftlichen Diskurses. Besonders die öffentliche Wahrnehmung der Zeitgeschichte wird von einem solchen erinnernden Zugriff dominiert. Dennoch bleiben Sport und Erinnerung weitestgehend Themen populärer Geschichtsvermittlung, privater Nostalgie und kommerzialisierter Heldenerzählungen. Bislang hat das wachsende wissenschaftliche Interesse am Sport nicht zu einer intensiveren Betrachtung des Phänomens geführt, obwohl der Sport in seiner Breitenwirkung ein genuines Phänomen des 20. Jahrhunderts ist und neue Perspektiven für die Erinnerungsforschung bietet. Dies gilt besonders für Osteuropa, so dass dieser Beitrag sich weniger an einer spezifischen Forschungsliteratur als denn an einem Beispiel orientieren kann und mit entsprechenden Ausblicken aufzeigen muss, wie Erinnerungsforschung und Sporthistoriographie zusammengeführt werden können.

Dieser Beitrag wird nach einer Einführung in den Forschungsstand skizzieren, wie sich der Zusammenhang von Sport und Erinnerung, hier als Erinnerung innerhalb des Sports und Erinnerung an den Sport verstanden, methodisch fassen lässt. Die Fallstudie zum „Todesspiel von Kiew“ soll illustrieren, wie ein solcher Aspekt allgemeiner Kriegserinnerung durch die verschiedenen Phasen sowjetischer, russischer und ukrainischer Geschichte geprägt und geformt wurde. Abschließend sollen methodische Überlegungen den Blick auf Perspektiven und Forschungsdesiderate der Erinnerungsforschung zum Sport in Osteuropa wenden.

 

Forschungsstand

Angestoßen von einer Wiederentdeckung der Schriften von Maurice Halbwachs zur mémoire collective,[3] der bereits in den 1920er Jahren eine sozialkonstruktivistisch anschlussfähige Theorie der Erinnerung von Gruppen entworfen hatte,[4] entfaltete sich seit den 1980er Jahren eine intensive und weitverzweigte Forschungsdebatte, in der Erinnerung zu einem dominanten Thema nicht nur historischer Forschung wurde. Diese ist nicht immer trennscharf zu anderen Forschungskonzepten wie Mythos, politische Legitimation oder Identität abzugrenzen.

Maurice Halbwachs’ grundlegende Annahme war, dass es sich bei Erinnerung um einen „sozialen Tatbestand“[5] („fait social“) handele, wodurch Erinnerung eine „mehr oder minder festgelegte Art des Handelns [ist, GF], die die Fähigkeit besitzt, auf den Einzelnen einen äußeren Zwang auszuüben“.[6] Die Möglichkeiten und Formen von Erinnerung sind dabei von „sozialen Bezugsrahmen“ („cadres sociaux“) bestimmt, die aus unmittelbaren Erinnerungen bestehen, mit deren Hilfe eine Erfahrung rekonstruiert wird.[7] Mit anderen Worten ist Erinnerung in sozialen Gruppen eine Deutung von Vergangenem aus dem Deutungswissen der jeweiligen Gegenwart heraus, die über soziale Verbindlichkeit verfügt.

Aus dem memory Boom der 1980er Jahre haben sich im Wesentlichen zwei Stränge der neueren Erinnerungsforschung herauskristallisiert. Der theoretische Teil der Forschung entwickelte in einer bemerkenswerten Interdisziplinarität, von der Ägyptologie bis hin zu den Neurowissenschaften, eine Vielzahl von Ansätzen, von denen im deutschsprachigen Raum gerade die Arbeiten von Jan und Aleida Assmann besondere Wirkung entfalteten.[8]

Eine empirisch geprägte Betrachtung wurde angestoßen durch Pierre Noras Projekt der lieux de mémoire,[9] durch das die Untersuchung dieser „Kristallisationspunkte“[10] der Erinnerung zu einem vielfach aufgegriffenen und öffentlichkeitswirksamen Konzept wurden.[11] Nachfolgende Projekte zu Erinnerungsorten erweiterten diesen Ansatz,[12] unterstellten jedoch oftmals eine Eindeutigkeit oder gar Essentialität von Erinnerung und konzentrierten sich auf die Nation oder Nationen als Untersuchungsraum.

Wurde Erinnerung als Forschungsansatz im französischen und deutschen Kontext ausgesprochen lebhaft aufgenommen, geschah dies im östlichen Europa mit zeitlicher Verzögerung, und wenn, dann auf konkrete Inhalte und Repräsentationen von Erinnerung bezogen. So gibt es für Osteuropa, abgesehen von einem deutsch-polnischen Projekt,[13] noch kein Großprojekt dieser Art. Dagegen sind in den letzten Jahren in der deutsch-, französisch- und englischsprachigen Osteuropaforschung zunehmend Beiträge zu Erinnerung in Osteuropa und osteuropäischen Erinnerungsorten vorgelegt worden, die losgelöst von der Teleologie, aber oft noch im Untersuchungsrahmen des Nationalstaats Erinnerungslandschaften und -kulturen Osteuropas erforschen.[14]

Osteuropa als Geschichtsregion bietet dabei besondere Herausforderungen und Perspektiven für die Erinnerungsforschung. Versteht man Osteuropa nämlich als Raum ethnischer, sozialer und konfessioneller Heterogenität, der zudem im 20. Jahrhundert von besonders intensiven Gewalterfahrungen geprägt war, so nimmt es nicht Wunder, dass die Aushandlung von Erinnerung in Osteuropa kontrovers ist. Dazu treten die verschiedenen politisch-ideologischen Brüche von Revolutionen und Transformationen ebenso wie Diktaturerfahrungen und eingeschränkte Öffentlichkeiten. Gerade letzteres ist für die Erinnerungsforschung maßgeblich, orientierten sich ihre theoretischen Überlegungen und empirischen Umsetzungen doch vor allem an westeuropäischen und demokratischen Gesellschaften und Öffentlichkeiten. Anschaulich wird dies gerade in der Gegenwart Osteuropas seit den Transformationen, in der sich zahlreiche Beispiele lebhafter Erinnerungsdiskurse und politisch aufgeladener Konflikte um eine Erinnerungshegemonie finden lassen.

Für die wissenschaftliche Betrachtung von Erinnerung bietet der Untersuchungsraum Osteuropa so eine besonders anschauliche Möglichkeit, Erinnerung als konfliktuellen Prozess zu verstehen. So gilt es, Aushandlungsprozesse und Deutungskonflikte von Erinnerung herauszuarbeiten. Hinter jeder Deutung können spezifische Akteure und vorherige Deutungen identifiziert werden, wobei diese Stimmen erst durch eine soziale Wirkung Relevanz erhalten. Folglich ist ein solches Verständnis von Erinnerung explizit vielstimmig und dynamisch,[15] womit Erinnerungsforschung zu einer Aufschlüsselung von Deutung und Sinnstiftung historischer Erfahrung in der Zeit wird.

Bislang wurde der Zusammenhang von Erinnerung und Sport in der Forschung nur partiell aufgegriffen.[16] Wenn in Bezug auf Osteuropa Sport und Erinnerung auch wissenschaftliches Neuland sind,[17] so lässt sich an einigen neueren Ansätzen gleichwohl das Potenzial von Sport und Erinnerung in Osteuropa aufzeigen. In einem Beitrag zu den „Deutsch-Polnischen Erinnerungsorten“ stellt etwa Diethelm Blecking die Erinnerung an das „Wunder von Bern“ und das unentschiedene Spiel der polnischen Fußballnationalmannschaft 1973 in Wembley gegen England, mit dem sich Polen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, gegenüber. Dieses „polnische Wembley“ konnte sich, wie auch das „Wunder von Bern“, in eine Erfolgsgeschichte eines kurzen polnischen Wirtschaftswunders einfügen und war zugleich der Ausgangpunkt einer sportlichen Meistererzählung rund um gute Leistungen der Nationalmannschaft in den folgenden Jahren. Blecking veranschaulicht dabei besonders, wie Vergangenes, in diesem Fall Frustration und ein Gefühl der Isolation, einen sozialen Rahmen für entstehende Erinnerung bieten können.[18] Gleichzeitig war für die Verbreitung dieses Erinnerungsortes die zeitgenössische Rezeption von Bedeutung,[19] die eine „virtuelle Gemeinschaft“[20] der Sportinteressierten bzw. der Nation schuf, die sich später in der Erinnerung an Bern bzw. Wembley wiederfinden konnten. In diesem Zugriff wird jedoch deutlich, wie stark thematisch abhängig eine solche Erinnerung von ihrer jeweiligen Situation, beispielsweise einem Jahrestag oder den aktuellen Zeitumständen, ist.[21]

Eva Maurer zeigt in ihrer Arbeit zum sowjetischen Alpinismus anschaulich den Zusammenhang zwischen Identität, Geschichtsdeutung und Gegenwartsfragen einer sozialen Gruppe, eben der organisierten sowjetischen Alpinisten, auf. Als Gemeinschaft von Sportlern und Berginteressierten aus der gesamten Sowjetunion war gerade die Erinnerung an alpinistische Höchstleistungen, wie Erstbesteigungen, eine Möglichkeit, diese Gemeinschaft nach innen wie nach außen zu etablieren. Mit einer spezifischen Alpinistenliteratur, in Büchern und Zeitschriften, eröffneten sich die dafür notwendigen Kommunikationswege.

Diese Erinnerung der sowjetischen Alpinisten wurde beispielsweise im Jahr 1938 mit den Möglichkeiten und Zwängen einer Erinnerung im Stalinismus konfrontiert. Opfer der Säuberungen konnten ebenso wenig erwähnt werden, wie die internationale Zusammensetzung bedeutender Besteigungen.[22] Ihre Vergangenheit zu deuten, ermöglichte der vergleichsweise kleinen Gruppe der Alpinisten, sich in sowjetische Sinnwelten und Raumvorstellungen einzuschreiben und ihre zeitgenössischen Anliegen, wie die Zuweisung eigener Räumlichkeiten, zu untermauern. Gleichzeitig konnten sie sich auch nur in den Grenzen dieser Sinnwelten äußern.

Wenn Robert Edelman in seiner Monographie über Spartak Moskau immer wieder auf Deutungen dieser Mannschaft zu sprechen kommt, lassen sich diese ebenso als Elemente einer spezifischen Erinnerung zu Spartak und von Spartak-Anhängern verstehen, auch wenn Edelman in seiner Arbeit selbst nicht danach fragt. Als Mannschaft eines kaum bekannten Staatsbetriebs und verschiedener repressierter und inhaftierter Funktionäre, konnte Spartak den Eindruck erzeugen, es handele sich um eine vom Staat unabhängige Mannschaft.[23] Das intensive Geschichtsbewusstsein vieler Spartak-Anhänger in ihrer Beschäftigung mit dem Sport und ihrem Verein, bietet die Möglichkeit, diese Erzählung von der Mannschaft des Volkes, der Mannschaft der Demokratie als Erinnerungsort nachzuverfolgen.[24] Zweifelsohne lebte diese Erinnerung von Übertreibungen und Exotisierungen, um so mehr zeigt das Beispiel Spartak aber, in welchem Maße Erinnerung formbar ist und eben keinen Zugriff auf authentische Geschehnisse bietet.

Das „Todesspiel von Kiew“

Im Sommer 1942 kam es im besetzten Kiew zu mehreren öffentlichen Fußballspielen zwischen ukrainischen und deutschen, aber auch ungarischen und slowakischen Mannschaften. Was Normalität suggerieren sollte, wurde zur Prestigefrage, als die ukrainische Mannschaft der Brotfabrik Nr. 3, der „FK Start“, eine deutsche Luftwaffenauswahl, die sogenannte „Flakelf“, am 6. Juli 1942 mit 5:1 besiegte. Eine eilig angesetzte Revanche drei Tage später endete wieder mit einem Sieg des FK Start, der weitestgehend aus der Vorkriegsmannschaft von Dynamo Kiew bestand und so zum Besten gehörte, was der sowjetische und ukrainische Fußball zu bieten hatte. Nach dem Spiel, so die weit verbreitete sowjetische Erzählung, seien diese Spieler vom Platz weg verhaftet und als unbeugsame Sieger von den Deutschen erschossen worden. Neuere Arbeiten und Beiträge nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben diese Erzählung als Mythos dekonstruiert und konnten feststellen, dass die Spieler einige Tage nach dem Spiel in das Konzentrationslager Syretz deportiert wurden, wo im Frühjahr 1943 vier von ihnen willkürlich zur Vergeltung eines Partisanenangriffs ermordet wurden.[25]

An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, das tatsächliche Geschehen im Sommer 1942 zu rekonstruieren. Vielmehr soll das „Todesspiel von Kiew“ als Erinnerungsort, also als Deutungsträger sozialer Erinnerung, gelesen werden, um zu exemplifizieren, wie Erinnerung Relevanz entwickelt und in ihrer Vielstimmigkeit aufgefächert werden kann. Dies geht folglich einher mit einer Dekonstruktion des „Todesspiels“, das nur als Narration Bestand hat.

Die später zum „Todesspiel“ („matč smerti“) stilisierte zweite Begegnung zwischen dem FK Start und der Flakelf sahen am 9. Juli 1942 wohl an die 10.000 Zuschauer, darunter vor allem deutsche und ungarische Soldaten, aber auch Ukrainer, vornehmlich Kinder und ältere Menschen. Kiewer Zeitungen berichteten kaum über das Spiel, auch die Nachricht von der Verhaftung der Spieler verbreitete sich nur mündlich.[26] Dennoch muss man annehmen, dass das Spiel als eines der wenigen öffentlichen Ereignisse während der Besatzung Kiews breit wahrgenommen wurde.

Bereits wenige Tage nach der Befreiung Kiews durch die Rote Armee im November 1943 griffen sowjetische Zeitungen das Spiel auf. Dabei entstand Schritt für Schritt aus einer Meldung über die Erschießung einiger Dynamo-Fußballer während der Besatzung eine Geschichte unbeugsamer sowjetischen Fußballer, die auf Grund ihres Sieges über den deutschen Besatzer ermordet wurden. [27]

Auch außerhalb der Ukraine wurde das Thema aufgegriffen, so in georgischen Zeitungen im Februar 1944, die gar ein Denkmal für die ermordeten Dynamo-Spieler forderten. Das Parteiorgan „Komunisti“ begann im Februar 1944 bereits damit, Spenden für diesen Zweck zu sammeln. Zunächst scheiterte der Versuch einer Institutionalisierung der Erinnerung an die Kiewer Fußballer in Form eines Denkmals. Die Gewerkschaftszeitung „Trud“ sprach im April 1944 dann erstmalig vom „Todesspiel“ und prägte so dauerhaft den Begriff, unter dem die Erinnerung an das Spiel bis heute firmiert.[28] Diese Stilisierung des Spiels zum Kampf gegen den Besatzer, ist so als Versuch zu verstehen, die Besatzungserfahrung zu verzeitlichen. Nationalsozialitische Besatzung und mit ihr das „Todesspiels“ wurden also als vergangen gekennzeichnet und zu verarbeiten versucht, während der Krieg immer noch andauerte.

Gerade Unterhaltungsmedien trugen zur Etablierung des Erinnerungsortes „Todesspiel“ bei. Die sogenannte Filmerzählung „Todesspiel“ von Aleksandr M. Borščagovskij, die 1946 in der Jugendzeitschrift „Stalinskoe Plemja“ erschien, entwickelte die Geschichte mit einiger künstlerischen, aber für die Erinnerung sehr prägenden Freiheit weiter. Eine deutsche Profimannschaft, die angeblich beste Europas, sei zu diesem Spiel nach Kiew geflogen worden, um gegen elf inhaftierte Kiewer Fußballer anzutreten. Als die Kiewer nach der ersten Halbzeit in Führung lagen, drohte ihnen ein deutscher General mit der Erschießung, sollten sie gewinnen. Die Helden lenkten keineswegs ein, gewannen das Spiel und wurden kurz nach dem Spiel erschossen.[29] Nachdem ein Jahrzehnt lang kein weiterer Text erschienen war, kamen 1957 im Vorwort der Sportnovelle „Die letzte Begegnung“[30] zwei Zeitzeugen zu Wort, die Brüder Nikolaj und Vladimir Balakin. Der eine Spieler, der andere Zuschauer des Spiels priesen den „großen sowjetischen Patriotismus und unüberwindbaren Willen zum Sieg“ der Mannschaft des FK Start,[31] knüpften also an die bekannten und sagbaren Inhalte des sowjetischen Diskurses an.

Prägend für die Festigung des Erinnerungsortes „Todesspiel“ und die sowjetische Deutung wurde aber der Film „Die dritte Halbzeit“ („Tretij tajm“) des Regisseurs Evgenij E. Karelov aus dem Jahr 1962, der in weiten Teilen auf Borščagovskijs Erzählung basiert.[32] Auch hier traten die sowjetischen Fußballer gegen eine deutsche Spitzenmannschaft, die Auswahl der Legion Condor, an. Karelovs Darstellung schilderte einen tragischen Sieg des FK Start, dessen Spieler sich der Folgen ihres mühsam gewonnenen Spiels bewusst waren und vom Spielfeld weg abgeführt wurden. Dabei korrelieren die zwischenzeitliche Euphorie der sowjetischen Zuschauer und ihre nachfolgende Betroffenheit mit den Inhalten der Erinnerung an das Todesspiel auf die gleiche Weise wie antifaschistischer Heldenmut und Opfer. Dass eine ukrainische Stadt Schauplatz des Spiels war, wurde aus dem Film jedoch kaum ersichtlich. Unterschwellig beschrieb die Handlung Russen oder Sowjetbürger, ohne dies näher zu erläutern. Auffällig und sinnstiftend war dagegen, dass die Spieler des FK Start in den bekannten Trikots von Dynamo Kiew aufliefen, so dass das „Todesspiel“ durch seine filmische Repräsentation in der gesamten Sowjetunion als Spiel Dynamos wahrgenommen werden konnte. Historisch traten die Spieler in roten Trikots an, also der Farbe der sowjetischen Nationalmannschaft, wenn auch eher zufällig als mit symbolischer Absicht.[33]

Die filmische Umsetzung des „Todesspiels“ fiel in den beginnenden Boom des Fernsehens in sowjetischen Privathaushalten.[34] Zeitgleich und auch durch das Fernsehen begleitet, entwickelte sich Dynamo Kiew zu einem immer beliebteren Verein in der gesamten Sowjetunion, nicht nur wegen seines ansehnlichen Spiels, sondern auch begünstigt durch seine Konkurrenz zu den an der Peripherie unbeliebten Moskauer Vereinen. Wenn also Dynamo Kiew ein Verein der gesamten Sowjetunion war und sich unter seinen Fans lokale und transnationale Identitäten konstituierten, wie Manfred Zeller argumentiert,[35] lässt sich ebenso fragen, wie das „Todesspiels“ zwischen lokaler, vereinsbasierten und transnationalen sowjetischen Gruppenbezügen als Erinnerungsort entstand.

Dass die Spieler des FK Start, lebendig bzw. postum, 1965 mit Tapferkeitsmedaillen und Verdienstorden ausgezeichnet wurden, widersprach der populären Erzählung in einem entscheidenden Punkt. Überlebende Spieler waren in dieser Version der Geschichte gar nicht vorgesehen. Für die staatlich gesteuerte Erinnerung war dieser Widerspruch jedoch irrelevant. Vielmehr wurde das „Todesspiel“ in eine erneuerte sowjetische Erinnerung an den „Großen Vaterländischen Krieg“ integriert, die im Stalinismus zwar bereits angelegt war, aber aus politischen Gründen eingehegt wurde.[36] Eine offensivere Darstellung des Engagements der sowjetischen Bevölkerung im Krieg wiedersprach offenkundig dem Stalin’schen Personenkult. In der frühen Ära Brežnev dagegen wurde der Sieg über den Faschismus zu einem neuen Gründungsmythos der Sowjetunion aufgebaut, der identitätsstiftendes Potential entfalten sollte. So waren die 1965 vergebenen Orden Teil einer breitangelegten erinnerungspolitischen Aufwertung des Krieges und seiner Veteranen, in der das „Todesspiel“ die unbeugsame Opferbereitschaft der Heldenstadt Kiew illustrierte. In Kiew selbst waren schon seit 1944 Denkmäler zu den Leitmotiven „Ruhm“ und „Sieg“ auf Betreiben des ZK der KPUkr errichtet worden,[37] das eine sowjetisch-ukrainische Erinnerung an die Besatzung und den Krieg etablieren wollte.

Neben den „sozialen Bezugsrahmen“ dieser zunehmend institutionalisierten Erinnerung müssen hier ideologisch und staatlich bestimmte Ermöglichungsrahmen der Erinnerung betrachtet werden, die der stärkeren Kontrolle von Erinnerung in diktatorischen Systemen Rechnung tragen. Dabei kann man nicht von einer einheitlichen und unveränderlichen staatlichen Deutung ausgehen, sondern muss konkrete zeitspezifische Absichten in Betracht ziehen, wie dies zuletzt Jörg Ganzenmüller aufzeigen konnte.[38] Am Beispiel Stalingrads schlug Sabine Arnold dafür die Vorstellung eines „okkupierten Gedächtnisses“ vor, dessen Inhalte alleinig vom Staat bestimmt würden.[39] Jedoch erscheint es problematisch zwischen staatlich-kontrollierter Erinnerung und alternativen Formen trennscharf zu unterschieden, wofür Konzepte wie ein „vernacular memory“[40] oder eben das „kommunikative Gedächtnis“[41] formuliert wurden. Schließlich beeinflussen und bedingen sich die verschiedenen sozialen und kulturellen Ebenen gegenseitig, unabhängig davon, worauf sie basieren und welche Verbindlichkeit sie entwickeln können. Eine solche Breite zwischen Zwang und Ermöglichung lässt sich auch an weiteren Beispielen einer Erinnerung des Sports im Kontext des Zweiten Weltkriegs feststellen, beispielsweise den „Blockadespielen von Leningrad“ oder Spielen im Ghetto Theresienstadt.[42]

Die bisher geschilderten Beiträge deuteten das „Todesspiel“ bereits als Ausdruck sowjetischen Heldenmuts, blieben jedoch größtenteils unverbunden und oft auf die jüngere, das heißt die den Krieg nur eingeschränkt erlebende, Generation ausgerichtet. Mit der Erneuerung der Kriegserinnerung ab Mitte der 1960er Jahre erlebte auch der Erinnerungsort „Todesspiel“ eine besondere Positionierung in der sowjetischen Erinnerungslandschaft und eine staatliche Kodifizierung. Gleichzeitig stellte das „Todesspiel“ eine Möglichkeit dar, nicht nur sowjetisch, sondern auch aus einem ukrainischen Selbstverständnis heraus zu erinnern. Diese Vielstimmigkeit der Erinnerung lässt sich so nicht nur in entgegengesetzten Quellen, sondern eben auch in einzelnen Quellen finden, in denen konforme und non-konforme Inhalte miteinander verbunden werden konnten.[43]

Der Schriftsteller Anatolij V. Kuznecov griff das „Todesspiel“ in seinem 1966 erschienenen Roman „Babij Jar“[44] auf. Seine nonkonforme Schilderung des Massakers am Rande Kiews, bei dem ungefähr 33.000 Juden von deutschen Einsatzgruppen ermordet wurden, war höchst kontrovers, denn in der sowjetischen Deutung des Krieges war der Holocaust zweifellos ein Tabu.[45] Zwar wurde Kuznecovs Darstellung über die „Fußballer vom ‚Dynamo‘ – Legende und Wirklichkeit“ im Gegensatz zu anderen Passagen nicht zensiert, der Autor trug aber verschiedene Zitate aus der nationalukrainischen Zeitung „Nove ukrajins’ke slovo“ vom Sommer 1942 erst im Exil nach, die wohl in einem Akt von Selbstzensur ausgespart worden waren.[46] Immerhin hatte die Zensur Kuznecovs Darstellung des Massakers von Babij Jar, mit dem das „Todesspiel“ nun in einem Atemzug gedeutet wurde, auch nicht verboten. Seine Darstellung einer „unsterblichen Heldentat“[47] betont die hoffnungsstiftendende Bedeutung des Spiels für die „abgerissenen Menschen auf den Tribünen“.[48] Konkreter noch liefert Kuznecov Hinweise auf eine kommunikative, also unvermittelte, Deutung des „Todesspiels“, das im Bewusstsein der Kiewer zunächst auch das Grauen von Babij Jar überstieg. Denn die Geschichte dieses Spiels „war so populär, daß man eine Zeitlang über Babij Jar sagte: ‚Das ist jene Schlucht, wo die Fußballer erschossen wurden.‘“[49] So zeigt sich in der Opposition „Todesspiel“ versus Babij Jar nicht nur das tabuisierte Erinnern an den Holocaust in der Sowjetunion, sondern in einem methodischen Zusammenhang auch die Opposition Erinnern versus Vergessen.

1971 wurde am Eingang des Kiewer Dynamo-Stadions ein Denkmal eingeweiht, das die vier ermordeten Spieler in einem Relief zeigt, in das das eingangs zitierte Gedicht des ukrainischen Dichters Stepan Olijnyk eingearbeitet ist. Eine zeitgleich am Eingang des Stadions angebrachte Inschrift stellte nun auch den Zusammenhang zwischen Stadionbesuchern und den Dynamo-Spielern her: „Sie starben als Helden, und das Gedenken an sie wird ewig in unseren Herzen leben.“ Zehn Jahre später benannte man zudem den Schauplatz des Fußballspiels FK Start gegen die Flakelf um. Vor dem neuen Start-Stadion illustriert seitdem ein Denkmal den Sieg eines Fußballers gegen den nationalsozialistischen Besatzer.[50]

Zum 40. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1985 erschienen erneut eindeutig betitelte Zeitungsbeiträge. Titel wie „Der Preis des Sieges – das Leben“ oder „Fußballfeld – Schlachtfeld“ zeugen vom hegemonialen Narrativ des bewussten Heldenopfers. Diese Erzählungen betonten vor allem die unfair spielende und aus Profis zusammengestellte deutsche Mannschaft, überhöhte dies doch die Leistung der sowjetischen Spieler und zeugte von der Überlegenheit des sozialistischen Sports,[51] der sich zu dieser Zeit ja noch rhetorisch zum Amateurismus bekannte. Auch ein überlebender Spieler des FK Start, Makar Gončarenko, bestätigte 1984 öffentlich diese Erzählung, wonach die Dynamo-Fußballer gezielt Opfer der nationalsozialistischen Besatzung wurden.[52] Die im Zuge der Glasnost’ langsam beginnende Kritik am offiziellen Bild des Krieges,[53] berührte das „Todesspiel“ jedoch nicht.

Das „Todesspiel“ in der DDR

Es zeigt sich also, dass die mediale Aufbereitung und Verbreitung grundlegend für die Etablierung dieses Erinnerungsortes ist und die ursprüngliche Erfahrung überlagern oder ersetzen konnte und auch weit über deren Wahrnehmungskreis hinausging. So ist es kaum überraschend, dass das „Todesspiel“ keinen Eingang in eine deutsche Erinnerung gefunden hat. Zwar wurden 1974–1976 und ab 2005 in der Bundesrepublik staatsanwaltliche Untersuchungen angestrengt[54] und 2005 das Spiel in einem Dokumentarfilm[55] aufgegriffen, eine relevante Bekanntheit erreichte das „Todesspiel“ dennoch nie. Bemerkenswert ist dagegen der Versuch, das „Todesspiel“ in den 1960er Jahren in der DDR in die Deutung der nationalsozialistischen Besatzung der Sowjetunion zu integrieren. Eine Filmerzählung zum Spiel schilderte die Geschichte der Mannschaft von Dynamo Kiew mit einiger künstlerischer Freiheit und band positive und offensichtlich kommunistisch geprägte deutsche Charaktere in die Erzählung ein, um sie für die DDR durch Identifikationsfiguren anschlussfähig zu machen.[56] Auch die ungarische Verfilmung des abgewandelten Stoffes „Zwei Halbzeiten in der Hölle“ („Két félidő a pokolban“) von Zoltán Fábri (1962) wurde für die DDR synchronisiert, nicht aber Karelovs „Die dritte Halbzeit“.[57] Eine bewusste Steuerung lässt sich bei dieser transnationalen Verbreitung des Erinnerungsortes „Todesspiel“ also kaum annehmen. Die Beispiele zeigen aber deutlich, dass die Verbindung von Heldenmut und Sport im Kontext des Zweiten Weltkriegs auch in anderen Ländern des sozialistischen Blocks anschlussfähig war, und illustrieren einen transnationalen Rahmen der Erinnerung in diesen Ländern. Dass das „Todesspiel“ auch in westlichen Spielfilmen, teils in verschobenen Kontexten, teils völlig losgelöst von Kriegszusammenhängen aufgegriffen wurde, zeigt ein grundsätzliches narratives Potential dieses Stoffs.[58] Unabhängig von seiner politischen und identitätsstiftenden Aufladung und Funktion war das „Todesspiel“ eben auch eine gute Geschichte.

Bei diesen Versuchen, das „Todesspiel“ in der DDR bekannt zu machen, blieb es letztlich; auch zu einer Einflechtung in die Geschichtspolitik und in die Deutung des Zweiten Weltkriegs kam es im Weiteren nicht. „Das Spiel mit dem Tode“ blieb folgenlos.

 

Das „Todesspiel“ nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

Hatte der Erinnerungsort „Todesspiel“ seinen klaren Platz in der Erinnerungstopographie des Großen Vaterländischen Krieges, änderte sich dies auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zunächst nicht. Als Folge dieser Transformation löste sich die staatlich kontrollierte Homogenität der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auf und wich einer zusehend umkämpfteren und pluralen Erinnerung.[59] Neuere Presseberichte zum „Todesspiel“ erschütterten das populäre Erinnern an die Helden von Dynamo Kiew. Auch Makar Gončarenko revidierte in einem Interview seine vorherige Schilderung: „Unfortunately they [die vier ermordeten Spieler, GF] did not die because they were great football players, or great Dynamo Players […] The death of the Dynamo players is not so very different from many other deaths.“[60] Sein Bedauern bezieht sich deutlich nicht auf die Erzählung selbst, sondern nur auf ihren fehlenden Wahrheitsgehalt. Eine wirkliche Revision des sowjetischen Heldennarrativs konnten all diese Berichte nicht erreichen, auch wenn die Intensität der Erinnerung nachließ. Es bleibt zu vermuten, dass die öffentliche Dekonstruktion des Erinnerungsortes jedoch auf eine kleine Gruppe Fußballinteressierter beschränkt blieb, wie die Beiträge von Aksel’ Vartanjan und der begrenzte und zumeist reproduzierende Widerhall in russischen und ukrainischen Fanforen und Internetseiten andeuten.[61]

Eine interessante Perspektive bietet sich für den Erinnerungsort „Todesspiel“ dagegen für die Ukraine, die Stadt Kiew und den Fußballverein Dynamo Kiew an. Als Element der Identitäts- und Nationsbildung prägte sich die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in der Ukraine höchst politisiert und regionalisiert aus, wobei sich unabhängig von politischen Konjunkturen eine systematische Ergänzung des sowjetischen Erinnerns an den Zweiten Weltkriegs durch Inhalte, die die nationale Unabhängigkeit der Ukraine betonen, erkennen lässt. Eine solche ukrainische Erinnerung, besonders akzentuiert in der Hauptstadt Kiew, hatte sich auch in den ersten Nachkriegsjahrzehnten auf Betreiben des ZKs der KPUkr bereits entfaltet.[62] Als zeitgenössische Deutungsdopplung integriert sie die nationalistischen und anti-sowjetischen Traditionslinien in einen dilatorischen und fragilen Kompromiss, der politisch immer wieder infrage gestellt wurde.[63]

Auch die Institutionalisierung des „Todesspiels“ wurde in postsowjetischer Zeit fortgesetzt. Die Stadt Kiew errichtete 1999 ein drittes Denkmal für die Spieler des FK Start in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte Babij Jar und knüpfte damit an die sowjetische, nun ukrainisierte, Deutung des „Todesspiels“ an.[64] So wird die bereits aus sowjetischer Zeit bekannte Kopplung des „Todesspiels“ mit Babij Jar verstärkt und erneuert, was das wenig intensive Holocaust-Erinnern in der Ukraine illustriert.[65]

Die verschieden Untersuchungszugänge, wie die Betrachtung von Denkmälern oder die Inhaltsanalyse von Internetforen, aber auch Zeitzeugenerinnerungen, werfen eine grundsätzliche Frage der Erinnerungsforschung auf, nämlich ob der empirische Zugang zur Erinnerung über kulturelle Praktiken oder Individuen zu suchen ist. Dafür hat Jeffrey K. Olick die Unterscheidung zwischen collective memory und collected memory vorgeschlagen.[66] Diese Unterscheidung ist ebenso maßgeblich in Bezug auf mögliche Quellen und Untersuchungsmethoden, was auch erklärt, warum der kulturanalytische Zugang zur Erinnerung eher in den Geschichts- und Kulturwissenschaften beheimatet ist.

Auch der Film „Die dritte Halbzeit“ wird im ukrainischen Fernsehen immer noch ausgestrahlt und wirkt für die Erinnerung an das Spiel stabilisierend. So dient die „Vorstellung vom ukrainischen Volk als einer heroischen Opfernation“[67] unter Auslassung der inner-ukrainischen Konflikte als eine nationale Klammer der ukrainischen Gegenwart.[68] Abzuwarten bleibt, welche Wirkung ein neuer Kinofilm zum „Todesspiel“ entfalten wird, der im April 2012 in Russland, und mit etwas Verzögerung auch in der Ukraine angelaufen ist.

Darüber hinaus liegt eine regionale und vereinsspezifische Anknüpfung an den Mythos der Fußball spielenden Helden durch die Bevölkerung der Stadt Kiew und das Umfeld Dynamo Kiews nahe.[69] Ein vergleichbares Beispiel einer lokalen und vereinsbasierten Deutung bis in die Gegenwart hat Alexander Chertov am Beispiel der „Blockadespiele von Leningrad“ ausgeführt, die heute für die Anhänger des Vereins Dynamo St. Petersburg aber auch allgemeiner als „ein identitätsstiftendes Ereignis für das Leningrader/Petersburger Fußballherz“ funktionieren.[70] Denkmäler und mündliche Tradierung haben dazu beigetragen, dass auch junge Kiewer das „Todesspiel“ in seiner dominierenden Deutung kennen.[71]

 

Methodische Fragen und Quellen

Was lässt sich aber aus dem „Todesspiel von Kiew“ für Sport als Untersuchungsgegenstand der Erinnerungsforschung ableiten? Das Fallbeispiel hat aufgezeigt, dass Erinnerung nur als pluraler und dynamischer Prozess zu verstehen ist. Wurde die Erinnerung an das „Todesspiel“ durch Zeitungen und Unterhaltungsmedien geprägt, unterlag sie dennoch beständigen Aushandlungen. Das heißt die Untersuchung von Erinnerung muss Veränderungen und Aushandlungsprozesse der erinnerten Deutungen und der erinnernden Gruppen erfassen. Dabei ist vor allem die Strukturierung und Interdependenz der verschiedenen erinnernden Gruppen stärker in Betracht zu ziehen. So ist eine spezifisch ukrainische Deutung des „Todesspiels“ nur im Rahmen von Anknüpfung und Abgrenzung an sowjetische bzw. russische Erinnerungsnarrative zu verstehen. Zwar wurde die Bedeutung und Entfaltung verschiedener Gruppenkonstellationen immer wieder an Beispielen belegt, eine Konzeptionalisierung blieb aber bislang weitestgehend aus, sieht man vom Projekt der Lieux de mémoire au Luxembourg ab, das sich an der soziologischen Unterscheidung von Mikro-, Meso- und Makro-Ebenen orientiert.[72] Bedenkt man die in der Forschung immer wieder betonten subversiven Möglichkeitsräume des Sports in Osteuropa, wie sie beispielsweise in der integrativen Stellung des Todesspiels für den Anhängerschaft Dynamo Kiews zu unterschiedlichen Zeiten bestand, und die vielfältige Heterogenität der Geschichtsregion Osteuropa, bietet sich gerade eine Thematisierung des Verhältnisses der Mehrheit zur Minderheit in der Erinnerung des Sports an.

Sport als Untersuchungsgegenstand eröffnet folglich eine Möglichkeit, neben lokalen und städtischen Erinnerungsgruppen solche Gruppen zu betrachten, die sich über ein nicht territorial basiertes Identitätsbekenntnis konstituieren, beispielsweise aus der Identifikation mit einem Verein oder mit einer Sportart. Dabei tritt besonders der Zusammenhang von Erinnerung und Identität in den Vordergrund. Auch wenn diese Erinnerungsgruppen, wie Fußballfans, oftmals in Opposition zu einer Mehrheitserinnerung oder zum Vergessen stehen, lassen sich die beteiligten Individuen kaum auf eine einzelne Deutung und Gruppenzugehörigkeit verengen. Erinnernde Gruppen müssen folglich situativ und amorph verstanden werden. Eine Überlappung und Verflechtung solcher erinnernder Gruppen dürfte eher die Regel als die Ausnahme sein. Dynamo-Anhänger sind so nicht nur auf ihre Vereins-Identität zu beschränken.

Dessen ungeachtet kann die bestätigende und bewahrende Funktion einer Erinnerung des Sports nicht ausgespart werden, die sich ebenso aus dem Fallbeispiel erkennen lässt. So stützte die Einreihung des „Todesspiels“ in die staatliche Deutung des Sieges die Hegemonie des Narrativs eines Siegs über den Faschismus. Für die Konstituierung von Gruppen kann man zwischen einer affirmativen und einer formativen Funktion des Sports in Erinnerungskulturen unterscheiden. Während also das „Todesspiel“ das Erinnerungsnarrativ vom „sowjetischen Heldentum“ bestätigte und bekräftigte, prägte es als eigener Erinnerungsort das Kriegserinnern der Bewohner der Stadt Kiew, wie es Kuznecov beschrieb, und formte beispielsweise mit Denkmälern vor Fußballstadien die Integration der Anhänger von Dynamo Kiew.

Das Fallbeispiel des „Todesspiels“ veranschaulicht darüber hinaus, dass sich institutionalisierte Erinnerung und alltagskulturelle Tradierung ergänzen, die Assmann’schen Begriffe „Funktionsgedächtnis“ und „Speichergedächtnis“[73] also keine Gegensätze, sondern vielmehr nur modi memoriae sind. Unabhängig davon muss für die Erinnerung des Sports ein erweiterter Kulturbegriff nutzbar gemacht werden, der zum einen kulturelle Praktiken einbezieht und zum anderen einen intensiveren Blick auf Alltagsphänomene und kulturell nicht normsetzende aber dennoch relevante Gruppen richtet. Dies kann die in der Erinnerungsforschung vorherrschende Konzentration auf bildungsbürgerliche Erinnerungszusammenhänge ergänzen. Zusätzlich stellt sich die Frage, ob nicht ein Perspektivwechsel von der kulturellen Produktion zum kulturellen Konsum, wie ihn Holt N. Parker für die Alltagskultur vorgeschlagen hat,[74] auch für die Erinnerungsforschung, gerade für den Sport und Osteuropa, anschlussfähig ist.

Ein bislang unterschätztes und auch in der hier aufgeführten Fallstudie nicht weiter herausgearbeitetes Phänomen ist die Kommerzialisierung von Erinnerung in der Populärkultur,[75] die sich in Osteuropa erst nach der Transformation entwickelte. So formt eine nostalgisch gegenwartsbezogene Geschichtsdarstellung – meist nicht intendiert – Möglichkeiten der Erinnerung im zunehmend kommerzialisierten und mit Werbung besetzten Sport. Gerade in hochgradig professionalisierten Sportarten wie dem Fußball, bei dem zunehmend multinationalere Mannschaften die direkte Identifikation des Fans mit seiner Mannschaft erschweren, stellen solche Rückgriffe eine bewusste Möglichkeit dar, über Erinnerungsbildung Identität zu schaffen bzw. zu stärken. So ist der 2012 erschienene Kinofilm „Matč“ ganz offensichtlich ein kommerzielles Unterfangen, das dennoch die sowjetische Erzählung des „Todesspiels“ als Heldenopfer transportiert und zahlreiche Fans von Dynamo Kiew erreichen wird.

Osteuropa als Untersuchungsraum macht es erforderlich, autoritär regierte Staaten respektive deren erinnerungspolitisch sehr aktive Nachfolger zu betrachten, die Erinnerung prägen und steuern, institutionalisieren und beständig aktualisieren. „Öffentliche Räume und Öffentlichkeit in Gesellschaften sozialistischen Typus“[76] entsprechen nur bedingt den am westeuropäischen Modell entstanden Theorien, ohne dass man ihre Untersuchung unter ein Paradigma des Defizits oder der Rückständigkeit stellen müsste. Es lässt sich folgern, dass gesellschaftliche Hegemonie ein Garant für die Stabilisierung von Erinnerung ist, deren Formation sich aus unterschiedlichen politischen, sozialen und kulturellen Konstellationen speist. Nicht nur der Sport in Osteuropa als Themenschwerpunkt bietet dabei Möglichkeiten, diese Annahme mit weiteren Fallstudien empirisch zu belasten.

Was bedeutet dies aber für die Quellen, mit denen sich eine Erinnerung des Sports untersuchen lässt? In den Geschichtswissenschaften sind bislang vor allem der Inhalt, weniger aber die Praxis der Erinnerung und deren Medien betrachtet worden.[77] So bedarf es einer erweiterten Quellengrundlage, um auch populärkulturelle und nicht-hegemoniale Erinnerung im Kontext des Sports untersuchen zu können. Vor allem Elemente der Institutionalisierung von Erinnerung können dazu herangezogen werden. Wie im Fallbeispiel angedeutet wurde, können dies beispielsweise Museen, Denkmäler, Rituale, Feiertage im Zusammenhang mit Sportstätten, aber auch Filme, Radio- oder Fernsehbeiträge sein, die Sportereignisse begleiten. Gerade letztere sind in der historischen Forschung auch wegen hoher Kosten und schlechter Zugangsmöglichkeiten kaum aufgegriffen worden.[78] Fernsehen, Film und Radio, und in den letzten zehn Jahren auch das Internet, müssen als wichtige Aspekte der Populärkultur auch für die Erinnerung des Sports nutzbar gemacht werden, handelt es sich doch bei Erinnerung stets um eine „multimedia collage“.[79] Unabhängig von neueren Tendenzen zur Individualisierung des Medienkonsums kann angenommen werden, dass diese Medien der Populärkultur gerade auch in Osteuropa im sozialen Rahmen konsumiert und diskutiert wurden und werden, so dass beispielsweise dem Film eine geradezu kanonisierende Breitenwirkung zukommt.

Für die Beschäftigung mit subkulturellen, beispielsweise vereinsbasierten, Erinnerungszusammenhängen bietet das Internet einen wertvollen, methodisch jedoch umso problematischeren Zugang. Während die Speicherung von Internetinhalten ein grundlegendes Problem darstellt, ist die Bewertung und Analyse dieser Inhalte für Historiker Neuland. Gerade für Osteuropa bieten Internet und soziale Netzwerke einen lohnenswerten Zugang zu populären Inhalten der Erinnerungskultur,[80] dessen Archivierung und geschichtswissenschaftliche Aufbereitung bislang völlig unzureichend geblieben ist.[81] Dies zeigt auch die notwendige Interdisziplinarität und offensichtliche Herausforderungen einer von der Gegenwart auf die Vergangenheit zugreifenden Erinnerungsforschung auf, die sich der Methoden der Soziologie und Medienwissenschaften weiter und intensiver bedienen muss.

An Osteuropa als Gegenstand der Erinnerungsforschung lässt sich die Relevanz von Macht und Hegemonie und folglich auch die Bedeutung von Öffentlichkeit für die Aushandlung von Erinnerung untersuchen. Der Sport bietet darüber hinaus Perspektiven auf die in der Erinnerungsforschung bislang vernachlässigten Aspekte der Alltagskultur und der Identitätsbildung situativer und alternativer Gruppen. Dies veranschaulicht Erinnerung als dynamischen und pluralen Prozess, der am Themenfeld Sport und Erinnerung in Zukunft verstärkt untersucht werden sollte.

 

Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur:

https://www.zotero.org/groups/2907722/sportgeschichte_osteuropas/collections/BFW7SPJE


[1] Gemeinsam mit Félix Krawatzek, Daniela Mehler, Friedemann Pestel und Rieke Schäfer arbeite ich zur europäischen Erinnerung jenseits der Nation. Ihnen danke ich für zahlreiche Anregungen beim Schreiben dieses Aufsatzes und für unsere inspirierende und stets vergnügliche Zusammenarbeit.

[2]PRYSTAJKO Čy buv „matč smerti“, S. 97.

[3] Im Deutschen stehen für die Übersetzung des französischen Begriffs mémoire „Erinnerung“ und „Gedächtnis“ zur Auswahl, wovon hier Erinnerung verwendet werden soll, um den sozialen und prozessualen Charakter des Phänomens zu betonen.

[4]HALBWACHS Gedächtnis und seine Bedingungen. HALBWACHS Kollektives Gedächtnis. Halbwachs kam 1945 im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben, so dass sein 1950 erschienenes Werk „La mémoire collective“ aus seinem Nachlass herausgegeben wurde.

[5] Halbwachs lehnt diesen Gedanken an die Definition seines Lehrers Émile Durkheim an. Vgl. HALBWACHS Gedächtnis und seine Bedingungen, S. 108. DURKHEIM Regeln der soziologischen Methode, S. 114.

[6]DURKHEIM Regeln der soziologischen Methode, S. 114.

[7]HALBWACHS Das kollektive Gedächtnis, S. 143–144.

[8]ASSMANN Erinnerungsräume; ASSMANN Geschichte im Gedächtnis; ASSMANN Das kulturelle Gedächtnis.

[9] Zwischen 1984 und 1992 erschienen drei Bände in insgesamt sieben Teilbänden zu diesen Erinnerungsorten Frankreichs. In Frankreich erreichte Noras Paradigma durch dessen Stellung als Professor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, als Lektor mit weitreichenden Befugnissen bei Éditions Gallimard und als Gründungsherausgeber von „Le Débat“ für annähernd zwei Jahrzehnte eine prominente Position innerhalb der Geschichtswissenschaften. Für einen Überblick über das Projekt siehe: CARCENAC-LECOMTE Zur Einführung. ROBBE Historische Forschung und Geschichtsvermittlung.

[10]FRANÇOIS / SCHULZE Einleitung, S. 18.

[11] Vgl. die verschiedenen Nachfolgeprojekte: KOŃCZAL Pierre Noras folgenreiches Konzept.

[12] Vgl. zu neuen räumlichen Untersuchungsdesigns in der Erinnerungsforschung: LERIDER / CSÁKY / SOMMER (Hrsg.) Transnationale Gedächtnisorte; DENBOER / FRIJHOFF (Hrsg.) Lieux de mémoire; BUCHINGER / GANTET / VOGEL (Hrsg.) Europäische Erinnerungsräume.

[13] Im Rahmen des Projekts Deutsch-Polnische Erinnerungsorte ist bislang ein Band erschienen, die weiteren folgen im Laufe des Jahres 2012. HAHN / TRABA (Hrsg.) Deutsch-Polnische Erinnerungsorte.

[14] Vgl. als Auswahl: LERIDER / CSÁKY / SOMMER (Hrsg.) Transnationale Gedächtnisorte; RUCHNIEWICZ / TROEBST (Hrsg.) Diktaturbewältigung; MAYER (Hrsg.) Mémoire à l’Est; GESSAT-ANSTETT Une Atlantide russe; SAPPER / WEICHSEL (Hrsg.) Geschichtspolitik und Gegenerinnerung; WERTSCH Narrative Organization; AUST / RUCHNIEWICZ / TROEBST (Hrsg.) Verflochtene Erinnerungen; AUST Polen und Russland; HEURTAUX / PELLEN 1989 à l’est de l’Europe; Zur Erinnerung: ROBIONEK / MÜLLER / VULESICA Erinnerungskultur in Dalmatien; FLIERL / MÜLLER (Hrsg.) Osteuropa – Schlachtfeld der Erinnerungen; CSÁKY Das Gedächtnis der Städte; WEBER / OLSCHOWSKY / PETRANSKÝ u.a. (Hrsg.) Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa.

Einen Forschungsüberblick bietet HASLINGER Erinnerungskultur und Geschichtspolitik.

[15] Vgl. CSÁKY Die Mehrdeutigkeit von Gedächtnis und Erinnerung.

[16] Vgl. beispielsweise: VIGARELLO Le Tour de France; PFISTER „frisch, fromm, fröhlich, frei“. GEBAUER Die Bundesliga; WEISS / NORDEN Sporthelden; BRABAZON Playing on the periphery; LABITSCH Die Narrischen.

[17] Vgl. BLECKING Das Wunder von Bern; ZELLER „The Second Stalingrad“.

[18]BLECKING Das Wunder von Bern, S. 417; 423.

[19]BLECKING Das Wunder von Bern, S. 417–418.

[20]BLECKING Das Wunder von Bern, S. 427.

[21]BLECKING Das Wunder von Bern, S. 416–417; 425.

[22]MAURER Wege zum Pik Stalin, S. 281–286.

[23] Vgl. EDELMAN Spartak Moscow, S. 162.

[24]EDELMAN Spartak Moscow, S. 295.

[25] Vgl. dazu: DOUGAN Dynamo; RIORDAN The Match of Death; PRYSTAJKO Čy buv „matč smerti“; VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4; VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 5; VARTANJAN Mif o „matče smerti“. Čelobintnaja; BREDENBROCK Die Todeself.

[26]BREDENBROCK Die Todeself, S. 511.

[27] Vgl. die ausführliche und mit Zitaten versehenden Darstellung der sowjetischen Rezeption bei Aksel’ Vartanjan.

[28]VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4.

[29]VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4.

[30]SEVEROV / CHALEMCKIJ Poslednij poedinok.

[31] Zitat nach: VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4.

[32]KARELOV Tretij tajm.

[33]DOUGAN Dynamo, S. 136–137.

[34] Vgl. ROTH-EY Finding a Home.

[35]ZELLER „Our Own Internationale“, S. 69.

[36]DUBIN Goldene Zeiten des Krieges; ALTRICHTER „Der Große Vaterländische Krieg“.

[37]HRYNEVYČ Gespaltene Erinnerung.

[38]GANZENMÜLLER Die siegreiche Rote Armee.

[39]ARNOLD Stalingrad im sowjetischen Gedächtnis, S. 19.

[40] Vgl. BODNAR Remaking America.

[41]ASSMANN Das kulturelle Gedächtnis, S. 50‒52.

[42] Vgl. CHERTOV Fußball während der Blockade, S. 46–47. Für seine Hinweise zum Fußball während des Zweiten Weltkriegs danke ich meinem Bonner Kollegen Alexander Chertov.

[43] Vgl. ZELLER „Our Own Internationale“.

[44]KUZNECOV Babij Jar.

[45]AL’TMAN Shoah.

[46]KUSNEZOW Babij Jar. Die Schlucht des Leids, S. 278–283, Zitat S. 278. Die im Tamizdat erschienene Ausgabe markierte die zensierten Passagen entsprechend. Zu den genaueren Kürzungen zwischen Selbstzensur und Ratschlägen „höhergestellter Genossen“ vgl. KUSNEZOW An meine Leser. Dazu konkreter: CLOWES Entwürfe zur Erinnerung an den Holocaust.

[47]KUSNEZOW Babij Jar. Die Schlucht des Leids, S. 281.

[48]KUSNEZOW Babij Jar. Die Schlucht des Leids, S. 279.

[49]KUSNEZOW Babij Jar. Die Schlucht des Leids, S. 278.

[50]VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4; PRYSTAJKO Čy buv „matč smerti“, S. 146.

[51]VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4.

[52]VARTANJAN Futbol v gody vojny, Teil 4; DOUGAN Dynamo, S. 229.

[53]ALTRICHTER „Der Große Vaterländische Krieg“, S. 484.

[54]PRYSTAJKO Čy buv „matč smerti“, S. 138–139, 147.

[55]BREDENBROCK Die Todeself, S. 507; BREDENROCK Die Todeself (Film).

[56]CREUTZ / ANDRIESSEN Das Spiel mit dem Tode.

[57]BREDENBROCK Die Todeself. Fábri. Két félidö a pokolban. Der Film verlegt die Handlung jedoch in ein ungarisches Kriegsgefangenlager. Gegner ist wiederum eine deutsche Luftwaffenmannschaft.

[58] Vgl. so beispielsweise: ROBERT The Longest Yard. HUSTON Victory bzw. Escape to Victory.

[59]WERTSCH Narrative Organization, S. 124.

[60]DOUGAN Dynamo, S. 229–230.

[61] So werden immer wieder einzelne Zeitungsbeiträge auf russischen und ukrainischen Fanseiten wiederholt bzw. zusammengefasst. Vgl. Mif i pravda. Dagegen dominiert auch im fußballinteressierten Internet die klassische Deutung des „Todesspiels“ aus sowjetischer Zeit immer noch. Vgl. als Beispiel: Istoričeskij sajt o futbol’nom klube „Dinamo“ (Kiev).

[62]HRYNEVYČ Gespaltene Erinnerung, S. 89–90.

[63] Vgl. JILGE Nationalukrainischer Befreiungskampf; HRYTSAK Geschichte und Erinnerung.

[64]PRYSTAJKO Čy buv „matč smerti“, S. 132.

[65] Vgl. JILGE Nationalukrainischer Befreiungskampf, S. 183.

[66]OLICK Collective Memory.

[67]JILGE Nationalukrainischer Befreiungskampf, S. 175.

[68]JILGE Nationalukrainischer Befreiungskampf, S. 175.

[69] So ordnet der Eintrag zu Dynamo Kiew in der ukrainischen sowie der russischen Wikipedia das „Todesspiel“ ganz selbstverständlich in die Geschichte des Vereins ein und reiht die Spielkleidung des FK Start in die Tradition Dynamos ein. Vgl. Dinamo (futbol’nyj klub, Kiev); Dynamo (Kyjiv). Die offizielle Vereinshistorie von Dynamo schloss sich noch im Mai 2011 dieser Deutung an, wogegen die überarbeitete Homepage (Stand Februar 2012) ohne jeden Bezug zum Todesspiel oder zum Zweiten Weltkrieg auskommt. FK Dinamo Kiev. Oficial’nyj sajt.

[70]CHERTOV Fußball während der Blockade, S. 57.

[71]BREDENBROCK Das Todesspiel, S. 513; SCHRÖDER / KELLERMANN Fußballmythos Todesspiel.

[72] Vgl. MARGUE; KMEC Les lieux de mémoire, S. 10–11.

[73]ASSMANN Das kulturelle Gedächtnis, S. 149–151.

[74]PARKER Toward a Definition of Popular Culture.

[75] Diethelm Blecking führt dies am Beispiel des Kinofilms „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann aus. Vgl. BLECKING Das Wunder von Bern, S. 420–421.

[76]RITTERSPORN / ROLF / BEHRENDS (Hrsg.) Sphären von Öffentlichkeit.

[77] Entsprechend ist zu Medien der Erinnerung vor allem aus theoretischer Sicht gearbeitet worden: ERLL / NÜNNING Medien des kollektiven Gedächtnisses; GUDEHUS / EICHENBERG / WELZER (Hrsg.) Gedächtnis und Erinnerung. Als sehr anschauliches Beispiel des Zusammenhangs für den Sport vgl. VIGARELLO Le Tour de France.

[78] Vgl. HORN Erinnerungsbilder.

[79]KANSTEINER Finding Meaning in Memory, S. 190.

[80] Vgl. die verschiedenen Erinnerungsformen und Bemerkungen russischer Internetnutzer in den sozialen Netzwerken Odnoklassniki, V Kontakte oder Facebook zum 9. Mai, also dem „Tag des Sieges über den Faschismus“, beispielsweise im Jahr 2011.

[81] Vgl. PATEL Zeitgeschichte im digitalen Zeitalter, S. 338–341.