Deutsche und Juden als Minderheiten in der Zweiten Polnischen Republik (1918–1939)

Das Ziel der polnischen Parteien, mit der Ausnahme der linksradikalen „Sozialdemokratie des Königreichs Polen und Litauens“ (SDKPiL), bestand am Ende des Ersten Weltkriegs in der Schaffung eines polnischen Nationalstaats, über dessen künftige Gestalt man sich uneins war. Erst durch den Nationalstaat wurde das Vorhandensein von nationalen Minoritäten zu einem politischen Problem. Beide großen politischen Gruppen Polens waren nicht bereit, sie auf Dauer zu tolerieren. Die antideutsch und antisemitisch eingestellten „Nationaldemokraten“ (Narodowa Demokracja, auch: Endecja) unter Roman Dmowski (1864–1939) [Abbildung 1], die das Vertrauen der Entente genossen, strebten nach einer („piastischen“) Repolonisierung westlicher Gebiete zu Lasten Deutschlands und zu einer Verdrängung der Juden, während die Piłsudski-Anhänger [Abbildung 2] einen („jagiellonischen“) polnisch-litauisch-ukrainischen, nach Osten ausladenden Staat, möglicherweise als eine Föderation, anstrebten, in dem aber die Minderheiten auch polonisiert werden, mindestens sich aber der polnischen Kultur unterordnen sollten.[1]

Wenn man die von dem US-Präsidenten Woodrow Wilson am 8. Januar 1918 für eine künftige Friedensordnung verkündeten 14 Punkte als Basis nimmt, wonach ein unabhängiger polnischer Staat entstehen sollte, „der alle Gebiete einzubegreifen hätte, die von unbestritten polnischer Bevölkerung bewohnt sind“ und einen „freien und sicheren Zugang zur See“ erhalten sollte, dann waren schon diese beiden Teile von Punkt 13 widersprüchlich.[2] Aber auch die geographischen Planungen der beiden vorgenannten Politiker visierten einen polnischen Staat an, der außer der „unbestritten polnischen Bevölkerung“ einen hohen Anteil an nationalen Minderheiten umfassen sollte.

In der multikulturellen Adelsrepublik des 18. Jahrhunderts war die national-kulturelle Zugehörigkeit zu einer nicht-polnischen Nationalität nur ein eher nachrangiges Identitätselement, demgegenüber Religionszugehörigkeit und Stand eher ordnende Bedeutung hatten. Als eine separate rechtliche Gruppe galten die Juden, die ein wirtschaftlich wichtiger Teil des polnischen Feudalsystems waren und eine ursprünglich zur Regelung der Steueranteile eingeführte eigene Repräsentanz im „Rat der Vier Länder“ hatten, der zwischen dem 16. Jahrhundert und 1764 regelmäßig in Lublin und Jarosław tagte. Litauen erhielt eine Paralleleinrichtung 1623.[3] Die romantisierenden Vorstellungen von der polnischen „Toleranz“ sind übertrieben, aber Judenverfolgungen wurden eher mit Ukrainern und städtischer, partiell deutscher Konkurrenz in Verbindung gebracht als mit der polnischen Adelsgesellschaft, die auf die Juden angewiesen war. Auch die Deutschen galten eher als modernes Vorbild: Vom 17. Jahrhundert an ersetzte der männliche polnische Adel zunehmend den orientalisierenden bodenlangen Mantel durch bequemere (kürzere) westliche „deutsche“ Kleidung. Das orthodoxe Judentum hielt an der ehemals polnisch-adligen Tracht fest, verweigerte eine modernere Kleidung und deutete die alte Adelstracht zum selbstbewussten jüdischen „sozialsymbolischen Gewand“ um.[4]

Das hatte sich aber im Laufe des 19. Jahrhunderts verändert: Das polnische Volk wurde „komplettiert“, indem man die Bauern in die polnische Nation integrierte, als deren Angehörige sie zuvor nicht galten[5], und im Gegenzug eine mentale Mauer gegenüber den kulturell differenten Gruppen errichtet wurde. Die Bauernparteien betonten den polnisch-jüdischen Gegensatz und verteufelten die jüdischen Händler und Schankwirte, die im Auftrag des Adels tätig waren, als „Ausbeuter“ der Bauern. In den intellektuellen Kreisen herrschte zunächst eine judenfreundliche, die Einbeziehung in die polnische Nation anstrebende Stimmung, die sich aber bald wandelte. Aus Deutschland kamen moderne antisemitische Tendenzen nach Polen, die von den „Nationaldemokraten“ aufgegriffen wurden, ohne dass diese deswegen deutschfreundlich geworden wären. Negativ wirkte auch das wachsende jüdische politische Eigenleben, das im sozialistischen „Bundismus“, benannt nach dem antizionistischen, 1897 gegründeten „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund“ in Polen und Russland und im nationalen Zionismus gipfelte. Juden wurden kritisiert, weil sie offenbar nicht nach Assimilation strebten, sondern sich kulturell und politisch als eigenes Volk konstituieren und so von den nicht-jüdischen Polen lösen wollten.[6] In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg organisierten die „Nationaldemokraten“ eine Boykottbewegung und strebten nach einer Verdrängung der Juden aus Polen. Auch das bis 1848 nicht negative Image der Deutschen und vor allem der Preußen wandelte sich, als diese ihre aus den Teilungen Polens stammenden Gebiete zu germanisieren begannen und dabei vor allem in Posen mit der Nationaldemokratie konfrontiert wurden.

Im wiederentstandenen polnischen Staat wusste man 1918 noch nicht, wo seine Grenzen liegen würden. Mit Ausnahme der kurzen Grenzabschnitte mit Rumänien und Lettland wurden alle Grenzen des neuen Staates in kriegerischen Auseinandersetzungen bestimmt. Gegen Deutschland expandierte Polen im sogenannten Großpolnischen Aufstand (powstanie wielkopolskie) ab der Jahreswende 1918/19. Die gegen reguläres Militär und Freikorps mit der Hilfe polnischer Truppen errungenen Gebietsgewinne wurden im Vertrag von Versailles durch die Entente legalisiert. Den „Zugang zum Meer“ erhielt Polen durch den sogenannten Polnischen Korridor, der aus Kernpolen über deutsch und kaschubisch besiedelte westpreußische Gebiete bis zur Halbinsel Hela führte, ohne dass man sich um die Präferenzen der dortigen Einwohner gekümmert hätte. Im zur „Freien Stadt“ erklärten Danzig erhielt Polen Rechte im Hafen und in der politischen Vertretung. In Masuren (Allenstein) und einem kleinen Teil Westpreußens (Marienwerder) fanden im Juli 1920 Volksabstimmungen statt, die trotz einem weitaus größeren polnischsprachigen Bevölkerungsanteil mit über 90% zugunsten Deutschlands ausgingen.[7] Dies war keine Entscheidung für das „Deutschtum“, wie es deutsche Nationalisten feierten, sondern für einen funktionierenden deutschen Staat, dessen polnische Konkurrenz im Krieg stand, für Korruption bekannt und zudem aktuell von der sowjetischen Invasion bedroht war.[8] Beide Seiten verstanden sich durch die territorialen Veränderungen als Verlierer. Zwar wurde die intendierte Vertreibung der andersnationalen „Optanten“ nicht konsequent durchgeführt, es entstanden jedoch Animositäten, die das Verhältnis fortan vergifteten. In Oberschlesien versuchten die Polen in blutigen „Aufständen“ die Ergebnisse der Volksabstimmung von 1921 zu korrigieren, was dazu führte, dass das Gebiet zwar proportional richtig, jedoch nicht nach den Bewohnern aufgeteilt wurde und in beiden Teilen Minderheiten der anderen Nationalität blieben.

Die jüdische Minderheit

Im bis dahin österreichischen Galizien wurde die Unabhängigkeit Polens im Herbst 1918 mit zumeist bäuerlichen Pogromen gegen die Juden „begangen“, was das Ergebnis der Propaganda der Bauernparteien über die Ausbeuterrolle der Juden war, die man nun angeblich abschütteln könne. Die territoriale Auseinandersetzung zwischen Polen und Ukrainern um Lemberg im November 1918, in der sich die örtlichen Juden für neutral erklärt hatten, führte nach dem Sieg der Polen zu einem polnischen Militärpogrom in der Stadt, weil die polnischen Soldaten die Neutralität als fehlende Solidarität mit den Polen verurteilten[9] Auch in den kriegerischen Expeditionen der jungen polnischen Armee in den Osten im Frühjahr 1919 kam es in Pinsk, Lida, Minsk und anderen Orten zu Pogromen, die denen der verschiedenen Parteien im russisch-ukrainischen Bürgerkrieg gleichkamen.

Neben einem archaischen religiös grundierten Antijudaismus der einfachen Schichten und den ökonomischen Motiven kam politisch hinzu, dass man in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkriegs die Deutschen als die Hauptgegner anzusehen begonnen hatte, Russland 1915 Juden und Deutsche aus den polnischen Gebieten in den Osten umsiedelte und sie pauschal der Spionage und Zusammenarbeit mit dem deutschen Feind bezichtigte.[10] Nach 1918 blieb der Eindruck, dass sich die westpolnischen Juden eher an Deutschland als an Polen orientierten und weiter im Osten die jiddische Sprache einen ähnlichen Eindruck erweckte.

Als die Grenzen Polens [Abbildung 3] erst ansatzweise feststanden („Mittellitauen“ wurde 1922 von Polen annektiert, Oberschlesien 1922 geteilt, Ostgalizien 1923 Polen de jure zuge-sprochen), stellte sich in der ersten Volkszählung vom 30. November 1921 heraus, dass Polen entgegen seinem Anspruch nicht der erstrebte Nationalstaat, sondern ein Vielvölkerstaat war.

Die Pogrome der ersten Nachkriegsmonate, die in Polen noch Kriegsmonate waren, wurden in der Presse verbreitet und führten, noch bevor internationale Kommissionen zur Ermittlung der Fakten nach Polen entsandt wurden,[11] dazu, dass Polen (wie dann auch Griechenland, Rumänien, Jugoslawien und die Tschechoslowakei) gezwungen wurde, außer dem Friedensvertrag von Versailles am 28. Juni 1919 auch einen Minderheitenschutzvertrag zu unterschreiben, in dem es sich zur Achtung der Rechte und zur Tolerierung einer autonomen kulturellen Struktur der Minderheiten verpflichtete.[12] Der Vertrag, dessen Diskussion sich vorwiegend auf den jüdischen Kontext beschränkte, wurde im polnischen Diskurs als Demütigung Polens verstanden, dem die Alliierten offenbar kein demokratisch-tolerantes Verhalten zutrauten. Wie recht sie damit hatten, sollte sich bald herausstellen.

Im zweiten polnisch-sowjetischen Krieg 1920 kam es erneut zu antijüdischen Ausschreitungen (auf beiden Seiten), daneben internierte das polnische Militär einen Großteil der polnischen jüdischen Soldaten in Jabłonna bei Warschau und einer Reihe anderer Lager wegen der „schädlichen Tätigkeit des jüdischen Elements“.[13] Die Vorstellungen von einem „jüdischen Bolschewismus“ waren zu dieser Zeit in Polen schon verbreitet und imaginierten die Juden automatisch als Unterstützer der sowjetischen Kriegsgegner. [Abbildung 4]

Dies hatte zur Folge, dass die Vorwürfe des Antipatriotismus sich auch auf Diskriminierungen unterhalb der Gewaltgrenze auswirkten. Die Neugründung des polnischen Staates wurde als „Wiederauferstehung“ (zmartwychwstanie) sakralisiert – der Sieg über die Sowjets als von der Muttergottes besorgtes „Wunder“ an der Weichsel. [Abbildung 5]

Die katholische Kirche, der die überwältigende Mehrheit der ethnischen Polen angehörte, stand in der vordersten Front der antijüdischen Propaganda. Ob es um die Identifizierung von Juden und Kommunisten ging (1920), um die Anwendung der Thesen der „Protokolle der Weisen von Zion“ (ab 1923 mehrere Ausgaben) oder die Kampagnen des Priesters Stanisław Trzeciak (1873–1944) gegen die Zivilehe, das Schächten, gegen den jüdischen Messianismus und den Talmud,[14] mit wenigen Ausnahmen engagierte sich der katholische Klerus gegen die Juden. Dies tat auch der Franziskaner und spätere Märtyrer Maksymilian Kolbe (1894–1941), der aus seinem Kloster in Niepokalanów mit den Blättern „Der Ritter der Unbefleckten“ (Rycerz Niepokalanej) und „Kleine Tageszeitung“ (Mały Dziennik) und angeschlossenen Kinderzeitschriften gegen Freimaurer und Juden hetzte.[15] Die Kirche argumentierte dabei auch „sozial“: Sie trat für die Auswanderung der Juden ein, die den Arbeitern nutzen würde (Priester Jan Piwowarczyk, 1889–1959)[16], und erklärte die „nicht-christlichen Arbeitgeber“ zu geizigen Ausbeutern (Erzbischof Adam Sapieha (1867–1951), Krakau 1936). Der Primas August Hlond (1881–1948) schrieb in einem Hirtenbrief im Februar 1936: „Das jüdische Problem existiert und wird so lange existieren, wie die Juden Juden sein werden.“ Es folgte eine Liste von „Fakten“, wonach die Juden die Kirche bekämpften, Freidenker, Atheisten, Bolschewiken und Umstürzler seien.[17] In nationaldemokratischen und rechtsradikalen Kreisen griff die These um sich, dass Juden eigentlich Ausländer seien, die zwar schon sehr lange in Polen lebten, aber nun aus der sich zunehmend völkisch und katholisch verstehenden Nation ausgeschlossen werden sollten. Neben den „Nationaldemokraten“ und später dem „National-Radikalen Lager“ (einer faschistischen Partei, ONR) waren die Bauernparteien aus wirtschaftlichen Gründen abgestuft judenfeindlich (was aber nicht alle Funktionäre betraf). Die „jüdische Frage“ (kwestia żydowska) sollte dabei, darauf legten alle Akteure wert, möglichst gewaltfrei durch Ausschluss aus dem Volk und Emigration gelöst werden. Tatsächlich kam es oft anders. Unmittelbar wirkten sich antijüdische Maßnahmen auf jüdische Studierende aus: Im Sinne einer affirmative action wurden anfangs vorzugsweise demobilisierte Soldaten zum Studium zugelassen. Zwar wurde in den 1920er Jahren offiziell noch kein Numerus Clausus eingeführt, jüdischen Studierwilligen wurde aber oft unter Hinweis auf „Platzmangel“ und die Befürchtung von Auseinandersetzungen mit nationalistischen polnischen Studenten der Zugang verweigert. Ihnen blieb oft nur das Ausweichen ins Ausland, was wiederum ein Argument für deren mangelnden Patriotismus lieferte. Arbeitsplätze in vielen staatlichen Einrichtungen wie der Post und der Bahn wurden vorzugsweise an Nicht-Juden vergeben. Tabak-, Alkohol- und Zündholzverkaufsmonopole wurden Juden entzogen und an Kriegsversehrte vergeben, was Juden vielfach ausschloss. Regelungen zur Sonntagsruhe zwangen fromme jüdische Handwerker und Händler, die den Sabbat einhielten, zu zwei Ruhetagen in der Woche.[18] Die politische Partizipation war Juden in Polen formal freigestellt, tatsächlich wurde sie von ihrer Zersplitterung und dem Antisemitismus stark behindert. Ein großer Teil der orthodoxen Juden verweigerte sich dem weltlichen polnischen Staat – eine politische Vertretung besaßen die Orthodoxen in der unter deutscher Besetzung im Ersten Weltkrieg gegründeten Agudat Ha-Ortodoksim, daneben gab es die 1902 in Wilna gegründete orthodox-zionistische Organisation Mizrahi und ihre Jugendorganisation Bnei Akiva. Die Zionisten zerfielen so in verschiedene Richtungsparteien (moderate „Allgemeine Zionisten“, sozialdemokratische Poale Zion, die wieder in Rechte und Linke gespalten war, und die rechte „revisionistische“ „Neue Zionistische Organisation“).[19] Nicht-zionistischen Juden stand die „Folkisten“ (Yidishe Folkspartai) offen, die ein nicht-zionistisches Nationalprogramm in Polen vertrat,[20] und der „Bund“, eine antizionistische, jiddischistische, links-sozialistische Partei, die bis zur Erreichung einer „sozialistischen Gesellschaft“ die jüdische Kulturautonomie forderte und Ende der 1930er Jahre an Bedeutung gewann.[21] Es sollte aber auch nicht übersehen werden, dass ein erheblicher Anteil der großstädtischen Juden Polens (was in nationalistischen Darstellungen oft übersehen wird) ebenso wie in Deutschland und Westeuropa akkulturiert bzw. assimiliert und nicht Anhänger und Wähler der Minderheitenparteien, sondern der polnischen zentristischen und linken Parteien war.[22] Die nicht-antisemitischen Parteien wie die PPS, kleine liberale Gruppen und die meist illegale „Kommunistische Partei“ waren für jüdische Polinnen und Polen attraktiv, weil die antisemitische Haltung auch einen großen Teil des politischen Zentrums umfasste. Um unter den Wählern nicht als visibel „verjudet“ zu gelten, versuchte aber auch die PPS, Juden in die zweite Reihe zu drängen. Nach seinem Staatsstreich 1926 gründete Piłsudski den „Parteilosen Block zur Zusammenarbeit mit der Regierung“ (BBWR), der das Gegeneinander der Parteien besei-tigen sollte und auch jüdische Anhänger fand. Nach Piłsudskis Tod 1935 lösten die neuen Machthaber den Block auf und gründeten das „Lager der Nationalen Vereinigung“ (OZN). Aus eigener Überzeugung und um den konkurrierenden Nationaldemokraten den Wind aus den Segeln zu nehmen, agierte OZN zunehmend antisemitisch. Der Numerus Clausus für Ju-den wurde an Universitäten eingeführt, ein Gesetz verbot das Schächten und man entzog „Auslandsjuden“ 1938 die polnische Staatsbürgerschaft. Dann verweigerte man Juden, die daraufhin von den deutschen Nationalsozialisten ausgewiesen worden waren, zunächst die Aufnahme in Polen. Nur der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte, dass ein Teil der antijüdischen Gesetze in Kraft treten konnte.[23] 1922 und 1928 beteiligten sich mit Ausnahme des „Bund“ und der galizischen Zionisten einige der jüdischen Parteien an einem „Block nationaler Minderheiten“, um ein besseres Ergebnis im große Parteien bevorzugenden Wahlsystem zu erzielen. Der Erfolg ermöglichte 1922 die Verhinderung der Wahl eines Nationaldemokraten zum Staatspräsidenten, woraufhin eine von den „Nationaldemokraten“ konzertierte Propagandaaktion gegen „Deren Präsidenten“ (Ich Prezydent) einen Parteianhänger motivierte, den nicht-jüdischen, einer Bauernpartei angehörenden Präsidenten, Gabriel Narutowicz zu ermorden.[24] 1928 gelang es einem neuen Block nationaler Minderheiten 86 Sitze im Sejm zu erringen, wobei Deutsche 21 und Juden 13 Sitze erhielten.[25] Die danach einsetzende autoritäre Politik Piłsudskis hatte zunächst zwar die Ukrainer und die Nationaldemokraten als Ziel, verschärfte aber, als auch noch die Weltwirtschaftskrise Polen erfasste, die Konflikte und führte zu nationaldemokratischer Gewalt gegen Juden.[26] Nach den Pogromen der unmittelbaren Zeit nach 1918 eskalierte die Gewalt ab 1929. Ein Ort steter Auseinandersetzungen waren die Hochschulen und Universitäten in Warschau, Wilna und Lemberg, wo die Konkurrenz angesichts der verschlechterten Wirtschaftslage die rechtsradikalen Gruppierungen zur gewaltsamen Verfolgung ihrer jüdischen Kommilitonen motivierte. In der Medizin versuchten die Rechten, jüdischen Studierenden den Zugang zu „christlichen Leichen“ zu verweigern. Die polnische Regierung suchte dem entgegenzuwirken und vergrößerte die disziplinarische Kompetenz der Hochschulrektoren, was aber den gegenteiligen Effekt hatte: An manchen Hochschulen setzten Rektoren daraufhin die Forderung nach einem „Bänke-Ghetto“ (getto ławkowe) durch, das jüdische Studenten segregiert von den „christlichen“ platzierte.[27] Außerhalb der Hochschulen kam es ab 1936 zu häufigen Auseinandersetzungen, die von radikalen Gruppen wie der „Nationalen Partei“ (Stronnictwo Narodowe), dem ONR und antisemitischen Vereinen ausging. Die Reaktion der Regierung war zweideutig. Einerseits verurteilte der Ministerpräsident Felicjan Sławoj-Składkowski 1937 die antijüdischen Aktionen der Rechten und gab die Zahl von 348 antijüdischen Ereignissen allein in der Wojewodschaft Białystok im Jahre 1936 zu, andererseits gab er als Grund an, dass was mit dem „Schlagen der Juden“ beginne, zu Anarchie führe und nur deswegen verwerflich sei.[28] Dies passte zur Stellungnahme im polnischen Sejm vom 4. Juni 1936, in der der neuernannte Ministerpräsident sich gegen Gewalt und die „Benachteiligung“ (krzywda) der Juden ausgesprochen hatte, aber mit dem Satz „Wirtschaftlicher Kampf – aber ja“ (walka ekonomiczna – i owszem) für die meisten, die diesen Satz hörten, die antijüdischen Akte billigte.[29] Die Äußerungen polnischer Antisemiten, man orientiere sich nicht am deutschen Nationalsozialismus, lehne Rassismus ab, und sei „nicht revolutionär, sondern reaktionär“,[30] machte nur in den Köpfen der Täter einen scheinbaren Unterschied. Entsprechend gab es regelrechte Pogrome – die bekanntesten in Przytyk bei Radom (März 1936), Grodno (Juli 1935)[31] und Brest (Juli 1937).[32] Da in Przytyk eine jüdische Miliz zur Abwehr gebildet worden war, versuchen polnische Nationalisten bis heute, die Ereignisse dort als „antipolnische“ Aktion von Juden auszugeben.[33] Politisch wandte sich Polen im Zuge der 1930er Jahre von der Entente und Frankreich ab und – bis eine neuerliche Wende im März 1939 eintrat – Deutschland zu. Das erste Zeichen dafür war die Kündigung des Minderheitenschutzabkommens im Oktober 1933, als Deutschland aus dem Völkerbund austrat. Theoretisch wurde damit auch Polens Garantie durch die Westmächte hinfällig. Wie NS-Deutschland versuchte Polen jedoch, seine Politik von multilateralen auf bilaterale Regelungen umzustellen, was zu den Verträgen vom Januar 1934 führte. Au-ßenminister Józef Beck beruhigte die Deutschen und erklärte, dass die Kündigung in erster Linie gegen das Eintreten des Völkerbunds für die Juden gerichtet sei.[34] Wie realistisch diskutierte Perspektiven einer gemeinsamen deutsch-polnischen Politik gegenüber der Sowjetunion waren, ist umstritten. Ab 1938/39, nachdem Polen noch von der Annexionspolitik gegenüber der Tschechoslowakei durch den Anschluss des Teschener Gebiets profitiert hatte, wandte sich die polnische Politik wieder den Westmächten zu.

Die deutsche Minderheit

Nach der unvollständigen Volkszählung von 1921 bildeten die Ukrainer mit fast vier Millionen (14,3%) die größte Minderheit in Polen, gefolgt von den als Minderheit gezählten Juden mit über zwei Millionen (7,7%) und den Deutschen mit etwas über einer Million (4%).[35] Die Zahlen der Deutschen reduzierten sich bis 1931 durch deren Abwanderung nach Deutschland und Übertritte zur polnischen Nationalität. Obwohl Polnisch-Oberschlesien mit einem höheren deutschen Anteil 1921 gar nicht erfasst worden war, sank die Zahl der Deutschen in Polen in den zehn Jahren auf etwa 740.000. Neben Oberschlesien / Górny Śląsk und Posen / Poznań sowie Westpreußen (Großpolen / Wielkopolska, Pommern / Pomorze), wo sie zahlreich waren, lebten die Deutschen verstreut auch in allen anderen polnischen Gebieten (wie z. B. in Łódź, Galizien und Wolhynien), wo sie anfangs weitaus weniger nationalistisch eingestellt waren. Während die meisten Juden trotz allem grundsätzlich loyal zum polnischen Staat standen, traf dies für die nationalorientierten Ukrainer, denen weder Staatlichkeit noch Kulturautonomie gewährt wurde, und die Deutschen in Pommern nicht wirklich zu. Polens nationalistische Politiker strebten bekanntlich eine assimilationistische Einverleibung von Belorussen und Ukrainern an, während sie Juden und Deutsche für in der Regel nicht assimilierbar hielten und daher ihre Emigration erhofften. Seitens der Deutschen beruhte die Abneigung auf Gegenseitigkeit: Ressentiment („polnische Wirtschaft“), politische Wertung („blutende Grenze“) und (bis auf Oberschlesien) religiöse Unterschiede ließen nur wenig Harmonie aufkommen. Die Weimarer Republik, die im Westen territoriale Verluste akzeptierte, behielt sich einen Revisionismus im Osten vor und führte bis 1933 einen Zollkrieg gegen das Nachbarland. Nicht unerhebliche Gelder wurden aufgewandt, um Deutsche von einer Abwanderung abzuhalten, ihr Deutschtum zu unterstützen und so die deutschen Ansprüche auf die verlorenen Gebiete aufrechtzuerhalten.[36] Mit dem Großpolnischen Aufstand 1918/19, den Schlesischen Aufständen 1919/21 und dem Bewusstsein, im Versailler Vertrag und bei der Teilung Oberschlesiens Unrecht erlitten zu haben, gab es auf deutscher Seite große Vorbehalte gegen Polen. Dies führte dazu, dass sich politisch verfeindete Gruppierungen aus Posen und Pommern („Zentrum“, „Deutsche Demokratische Partei“ DDP, „Deutsche Volkspartei“ DVP, „Deutschnationale Volkspartei“ DNVP) 1921 in Bydgoszcz / Bromberg zum „Deutschtumsbund“ zusammenschlossen, der 1923 verboten wurde. Danach bemühten sich unterschiedliche Fachvereine um die kulturelle und schulische Betreuung. Für Ostoberschlesien entstand in Katowice / Kattowitz im November 1921 eine Organisation, die sich von 1925 an „Deutscher Volksbund“ für Polnisch-Schlesien nannte und der Otto Ulitz (1885–1972) vorsaß. Politisch standen einander in Oberschlesien die bürgerliche „Deutsche Partei“ (DVP, DDP, DNVP), das „Zentrum“ („Deutsche Katholische Volkspartei“, ab 1933 „Christliche Deutsche Volkspartei“ – CDV) und die hier wegen des Industriegebiets stärkere „Deutsche Sozialdemokratische Partei“ gegenüber, die zeitweise als „Deutsche Sozialistische Arbeiterpartei Polens“ (DSAP) firmierte. Die deutschen Sozialisten waren auch in Łódź eine Konkurrenz für die nationalistischen Gruppen.[37] Die beiden wichtigsten Wohngebiete der Deutschen hatten unterschiedlichen Status. Während Posen/Westpreußen dem Zugriff der polnischen Behörden direkt ausgesetzt war, erhielt Oberschlesien durch die am 15. Mai 1922 in Genf für 15 Jahre abgeschlossene Oberschlesische Konvention einen Sonderstatus. Schon 1920 hatte Polen als Werbemaßnahme den oberschlesischen Gebieten, die zu Polen kommen würden, den Autonomiestatus verliehen, der das Schulwesen, die Polizei und das Finanzwesen umfasste. Die Genfer Konvention stand hingegen unter der Aufsicht des Völkerbundes, was nach 1933 dazu führte, dass die politischen und rassistischen Maßnahmen des NS-Staates (wie das „Berufsbeamtentum“-Gesetz und die Nürnberger Gesetze) im deutschen Teil Oberschlesiens bis 1937 nicht umgesetzt wurden.[38] 1937 lief jedoch die Konvention aus, die Rassegesetze galten nun und wurden auch vom „Deutschen Volksbund“ übernommen, der seine deutsch-jüdischen Mitglieder ausschloss. [Abbildung 6]

Nach Piłsudskis Putsch 1926 erwartete man eigentlich eine weniger antideutsche Politik, jedoch trat das Gegenteil ein. Deutsche Güter wurden verstärkt der sonst kaum praktizierten Bodenreform unterworfen, deutsche öffentliche Schulen wurden unter Vorwänden geschlossen (woraufhin private Schulen sie ersetzten), Ärzten der Zugang zu Krankenkassen verweigert usw. Es wurde eine „systematische Entdeutschung“ (systematyczne odniemczanie) begonnen, die vor allem auf Pommern (den polnischen Korridor), die Kaschuben (die man zu Polen erklärte) und die Oberschlesier ausgerichtet war, wo der neu berufene Wojewode Michał Grażyński (1890–1965), der einer der polnischen Aufstandsführer gewesen war, eine ausgesprochen deutschfeindliche Politik einleitete.[39] Im internationalen Verkehr wurde von beiden Seiten der „Zollkrieg“ verstärkt, der erst 1934 beendet wurde. Während in Deutschland Anfang der 1930er Jahre zur Revision der Grenzen aufgerufen wurde, mobilisierte in Polen der „Verteidigungsverband der Westgebiete“ (Związek Obrony Kresów Zachodnich) u. a. mit Boykottaufrufen gegen Deutschland und die deutsche Minderheit in Polen. Die nationalsozialistische Politik in Deutschland war gegenüber Polen durch die Oberschlesische Konvention und die bewusst polenfreundliche Politik nach dem Nichtangriffsabkommen vom Januar 1934 bestimmt.[40] Kultureller Austausch und der Ausbau der diplomatischen Beziehungen symbolisierten sie. Daneben aber wurden die Deutschen im Ausland zu einer wichtigen Ziel- und Agitationsgruppe. Die 1935 geschaffene Abteilung für Grenz- und Auslandspolitik im Reichserziehungsministerium wurde 1936 von Partei und SS übernommen und war einer der Vorläufer der notorischen Volksdeutschen Mittelstelle, deren Aufgabe in der Gleichschaltung der Auslandsdeutschen („Volksdeutschen“) bestand. In Łódź hat es am Palmsonntag des Jahres 1933 (9.4.1933) polnisch-nationalistische Übergriffe auf Deutsche gegeben, die die Deutschen-Vertreter (und deutsche Historiker auch noch nach 1945) nach den nationalsozialistischen April-Boykotten im Reich den zionistischen Juden anlasteten. Auch wenn diese nichts damit zu tun hatten, entfremdeten sich dadurch die bis dahin miteinander kooperierenden Deutschen und Juden voneinander und die „Nationalsozialisten“ konnten die bis dahin weitgehend toleranten Deutschen „übernehmen“. Gegenseitige Boykottaufrufe bestärkten die jeweiligen nationalistischen Hardliner und machten auch die konventionellen deutschen Verbände empfänglich für die Politik der „Nationalsozialisten“.[41] Auch wenn dahinter kein Zwang mehr stand und man in Deutschland das Verbleiben der Deutschen in Polen wegen der Revisionshoffnungen für politisch opportun hielt, verließen immer mehr Deutsche (die sich eher als „Reichsdeutsche“ fühlten) die ehemals zum Reich gehörenden Gebiete um Posen und Westpreußen, während die eher ländlichen Deutschen aus dem ehemals russischen und österreichischen Teilungsgebiet in Polen blieben, höhere Gebur-tenraten hatten und daher quantitativ bedeutender wurden. Die NS-Vertreter nutzten als verlängerten Arm den 1921 im ehemals österreichischen Bielitz / Bielsko gegründeten „Deutschen Nationalsozialistischen Verein für Polen“, der von 1932 an in Ostoberschlesien als „Jungdeutsche Partei“ (JdP) unter dem Ingenieur Rudolf Wiesner (1890–1973) agierte. Der Versuch, den „Deutschen Volksbund“ zu ersetzen, scheiterte jedoch an dessen Widerstand, woraufhin sich die JdP mehr auf Posen / Poznań und Pommern / Pomorze konzentrierte, wo sie aber auch auf die Konkurrenz der alt-nationalen „Deutschen Vereinigung“ traf, die 1934 nach Querelen der bisherigen Organisationen entstanden war. Im Zoppoter Abkommen vom Mai 1934 erkannten die deutschen NS-Stellen die Rolle der DV als Minderheitenorganisation an, während die JdP die nationalsozialistische Umgestaltung vorantreiben sollte.[42] Trotzdem war diese Zweigleisigkeit den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, denn sie spaltete die deutsche Volksgruppe auf. Ähnlich war es in Zentralpolen, wo der seit 1924 bestehende „Deutscher Volksverband“ mit der JdP um die Nähe zu den Nationalsozialisten und das „richtige“ Deutschtum konkurrierte. Vergebens versuchte die SS-geführte Volksdeutsche Mittelstelle die verfeindeten Gruppen zusammenzuführen. Die meisten deutschen Minderheitenpolitiker nutzten die deutsch-polnische Entspannung von 1934, um sich loyal zum polnischen Staat zu verhalten, auch wenn die gegenseitige Wahrnehmung grundsätzlich abwartend kritisch blieb. Die Polen zogen dabei manchmal die JdP den „altpreußischen“ Deutschen der Alt-Verbände vor. Da nach 1945 in Deutschland versucht wurde, die mit der JdP konkurrierende DV von NS-Tendenzen reinzuwaschen und in Polen die Kooperation mit der JdP vertuscht wurde, bedarf diese Phase einer neuerlichen wissenschaftlichen Erforschung, in deren Verlauf die jeweiligen Stellungnahmen dekonstruiert wer-den sollten. Gleichgeschaltet waren die politischen Organisationen durch ihre positive Haltung zum Nationalsozialismus. Untereinander bekämpften sie sich. Nur in Oberschlesien verhielt sich die aus dem „Zentrum“ hervorgegangene CDV unter dem Journalisten Eduard Pant (1887–1938) gegenüber den Nationalsozialisten oppositionell. Sie wurde nach dem deutschen Überfall aufgelöst. Pant war schon 1938 gestorben, andere Politiker der Partei wurden verfolgt. Im Unterschied zur offiziellen polnischen Staatspolitik, die bis 1938 auf einen deutsch-polnischen Ausgleich bedacht war, rückte die polnische Öffentlichkeit in den 1930er Jahren nach rechts, was sich auf das Verhältnis gegenüber der deutschen wie der jüdischen Minder-heit negativ auswirkte. Im letzten Vorkriegsjahr, nachdem Deutschland den Nichtangriffspakt gekündigt hatte, wurde das auch im öffentlichen Raum sichtbar. Polen entfachte eine heftige antideutsche Propaganda und auch fast alle deutschen Organisationen wurden zu willigen Helfern der Nationalsozialisten, die durch angebliche deutschenfeindliche Aktionen Polens (wie etwa den „Überfall“ auf den Sender „Gleiwitz“) den intendierten Krieg begründen wollten. Tatsächlich verschlechterte sich das Verhältnis deutlich – einige der Funktionäre wie Rudolf Wiesner von der JdP flohen nach Deutschland. Im Zuge des deutschen Überfalls auf Polen, den man üblicherweise mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs gleichsetzt, kam es auch abseits der eigentlichen Kriegshandlungen zu blutigen deutsch-polnischen Auseinandersetzungen. In Bromberg / Bydgoszcz sollen deutsche „Selbstschutz“-Angehörige am 3. September 1939 sich zurückziehende polnische Soldaten beschossen haben, was zu einer Reaktion führte, in deren Verlauf polnische Soldaten auf Zivilisten schossen. Die NS-Propaganda nutzte die etwa 350 deutschen Opfer zur propagandistischen Begründung ihres Polenkrieges (man gab im November 1939 die Zahl mit über 5000 an und hängte später auf die Weisung Goebbels hin eine Null an, so dass dann von 58.000 Op-fern des „Bromberger Blutsonntags“ die Rede war). Die Deutschen exekutierten mit dieser Begründung dann nach ihrem Einmarsch bis zu 10.000 polnische Einwohner der Stadt.[43] [Abbildungen 7 und 8]

Ähnlich kontrovers sind die Interpretationen der Besetzung der weitgehend deutschen Stadt Kattowitz / Katowice am 4. September 1939. Während die Wehrmachtsberichte von einer nahezu kampflosen Besetzung und einem begeisterten Empfang durch die deutschen Oberschlesier handeln, entstand von polnischer Seite eine inzwischen auch in Polen angezweifelte Heldensaga um Pfadfinder, die sich gegen die Deutschen gewehrt hätten und schließlich durch einheimische Deutsche vom Fallschirmspringerturm im Kościuszko-Park geworfen worden seien.[44] So unterschiedlich die demographischen und politischen Qualitäten der Deutschen und der Juden auch waren, im Polen der Zwischenkriegszeit galten sie (neben den Ukrainern) als unmittelbare Feinde des neu entstandenen polnischen Nationalstaats (mehr dazu im Beitrag von Agnieszka Pufelska).[45] Außer der Linken waren alle polnischen Parteien minderheitenfeindlich, weil sie, wenn auch in unterschiedlichen Richtungen, unter dem Etikett des Nationalstaats eigentlich ein imperiales Gebilde anstrebten. Die Deutschen repräsentierten eine Teilungsmacht, sie waren 1918/21 in Kleinkriegen die Gegner, gaben sich in der Weimarer Republik als Revisionisten und bestätigten diese Qualität 1939 wieder. Die Juden passten in ein altes religiös-ökonomisch-politisches Feindschema, das auch anderswo den Antisemitismus nährte, und sie wurden fälschlicherweise mit den deutschen und sowjetischen Feinden identifiziert, die Polen wirklich hatte. Letztlich wollte die starke polnische Rechte aber alle loswerden, die nicht polnisch und katholisch waren oder werden wollten. Das Ziel der nationalen Homogenisierung, das nach 1945 annähernd erreicht worden ist, ist auch schon vor 1939 prominent nachweisbar.

 

Endnoten

[1] Kotowski, Albert, Polska Polityka narodowościowa wobec mniejszości niemieckiej w latach 1919–1939 [Die polnische Nationalitätenpolitik gegenüber der deutschen Minderheit in den Jahren 1919–1939], Toruń 2002, S. 77-79; von Jena, Kai, Polnische Ostpolitik nach dem Ersten Weltkrieg, München 2010; Die Begriffe „piastisch“ und „jagiellonisch“ orientierten sich an den Territorien Polens unter der Herrschaft der Piasten (10.–12. Jahrhundert) und der Jagiellonen (14.–16. Jahrhundert).

[2]Die 14 Punkte der Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Woodrow Wilson an den US-Kongress, vom 8.1.1918.

[3] Jilek, Grit, Nation ohne Territorium, Baden-Baden 2013, S. 94-145.

[4] Keil, Martha, „»Jüdische« Kleidung zwischen Selbstrepräsentation und Zwangskennzeichnung“, in: Handbuch Jüdische Kulturgeschichte, Salzburg 2008.

[5] Struve, Kai, Bauern und Nation in Galizien. Über Zugehörigkeit und soziale Emanzipation im 19. Jahrhundert, Göttingen 2005.

[6] Weeks, Theodore R., From Assimilation to Antisemitism. The ‚Jewish Question‘ in Poland, 1850–1914, DeKalb (Ill.) 2006.

[7] In der Volkszählung von 1910 gaben im Gebiet Allenstein 44% und in Marienwerder 14,3% (in Stuhm 40%) Polnisch als Muttersprache an.

[8] Golczewski, Frank, „Eine Gegenprobe zur Vierteilung?“, in: Der Westpreuße 72(5), 2020, S. 19-23.

[9] Benow, Josef, Der Lemberger Judenpogrom (November 1918–Jänner 1919), Wien 1919; Chasanowitsch, Leon, Die polnischen Judenpogrome im November und Dezember 1918. Tatsachen und Dokumente, Stockholm 1919; Taubert, Wilhelm; Wronker, Hermann, Für die Opfer der drei Lemberger Blutnächte. Aus der Leidensgeschichte der der Lemberger Juden, Frankfurt a. M. 1919; Gewürz, Salomon, Lemberg. Eine kritische Beleuchtung des Judenpogroms vom 21. bis 23. November 1918, Berlin 1919; o. A., A Record of Pogroms in Poland, in: New York Times, 01.06.1919, S. 43.

[10] Schuster, Frank M., Zwischen allen Fronten. Osteuropäische Juden während des Ersten Weltkrieges, Köln 2004; Lohr, Eric, „The Russian Army and the Jews: Mass Deportation, Hostages, and Violence during World War I“, in: The Russian Review 60, 2001, S. 404-419.

[11] Die Kommissionen bestätigten die Pogrome, versuchten jedoch, ein eher positives Bild zu zeichnen. Für die Originaltexte vgl.: „Mission of The United States to Poland: Henry Morgenthau, Sr. Report (1919)“, 3.10.1919 [11.11.2020]; auch abgedruckt in: Morgenthau, Henry jr., All in a Life-Time, Garden City (N.Y.) 1925; Morgenthau, Henry, My Mission to Poland, in: Morgenthau, Henry (Hrsg.), All in a Life-Time, Garden City (N.Y.) 1922, S. 348-384; Jadwin, Edgar; Johnson, Homer H., Mission of The United States to Poland: Jadwin and Johnson Report, 31.10.1919.

[12] Die Texte der Verträge sind online zugänglich: Minderheitenschutzverträge; eine deutsche Abschrift des polnischen Minderheitenvertrags.

[13] Befehl der 1. Stabsabteilung des Poln. Kriegsministeriums, 6.8.1920, abgedruckt in der antisemitischen Broschüre: Mścisławski, Tadeusz, Wojsko Polskie a żydzi [Das polnische Militär und die Juden], Warszawa 1923, S. 27-28; vgl. auch Henschel, Christhardt, „Jablonna als Erinnerungsikone“, in: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts 9, 2010, S. 545-571; Ders., „Jabłonna“, in: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Stuttgart/Weimar 2012, Bd. 3, S. 157-159.

[14] Trzeciak, Stanisław, Talmud, bolszewizm i „Projekt prawa małżeńskiego w Polsce“ [Der Talmud, der Bolschewismus und das „Projekt eines Eherechts in Polen“], Warszawa 1932; Ders., Program światowej polityki żydowskiej [Das Programm der jüdischen Weltpolitik], Warszawa 1936.

[15] Zum Gesamtproblem: Modras, Ronald, The Catholic Church and Antisemitism. Poland, 1933-1939, London/New York, 3. Aufl. 2004 (1. Aufl.1994), auch Kraków 2004.

[16] Eine Darstellung der Meinungen Piwowarczyks bei Synowiec, Andrzej, „Problem tzw. kwestii żydowskiej w Polsce w publicystyce ks. Jana Piwowarczyka: wybrane aspekty“ [Das Problem der sog. Jüdischen Frage in Polen in der Publizistik des Priesters Jan Piwowarczyk], in: Rocznik Historii Prasy Polskiej 9.1, 2006, S. 19-45.

[17] Siehe Pałka, Damian, Kościół katolicki wobec Żydów w Polsce międzywojennej [Die Katholische Kirche gegenüber den Juden im Polen der Zwischenkriegszeit], Kraków 2006.

[18] Golczewski, Frank, „The Problem of Sunday Rest in Interwar Poland“, in: Gutman, Yisrael u. a. (Hrsg.), The Jews of Poland between two Wars, Hannover (NH) 1989, S. 158-172.

[19] Reinharz, Jehuda; Shavit, Yaacov, The Road to September 1939. Polish Jews, Zionists, and the Yishuv on the eve of World War II, Waltham (Mass.) 2019; Gitelman, Zvi, The Emergence of Modern Jewish Politics: Bundism and Zionism in Eastern Europe, Pittsburgh (Pa.) 2003.

[20] Weiser, Kalman, Jewish People, Yiddish Nation. Noah Prylucki and the Folkists in Poland, Toronto 2011.

[21] Pickhan, Gertrud, ‚Gegen den Strom‘. Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund „Bund“ in Polen 1918-1939, Stuttgart, München 2001 (poln. Ausgabe: Pod prąd. Powszechny Żydowski Związek Robotniczym Bund w Polsce w latach 1918–1939, Warszawa 2017).

[22] Landau-Czajka, Anna, Syn będzie Lech... Asymilacja Żydów w Polsce międzywojennej [Der Sohn wird Lech heißen... Die Assimilation der Juden im Polen der Zwischenkriegszeit], Warszawa 2006.

[23] Melzer, Emanuel, No Way Out. The Politics of Polish Jewry 1935–1939, Cincinnati (Ohio) 1997.

[24] Golczewski, Frank, Polnisch-jüdische Beziehungen 1881–1922, Wiesbaden 1981, S. 334-351.

[25] Kotowski 2002, S. 113.

[26] Srebrakowski, Aleksander, „Sprawa Wacławskiego. Przyczynek do historii relacji polsko-żydowskich na Uniwersytecie Stefana Batorego w Wilnie“ [Der Fall Wacławski. Ein Beitrag zur Geschichte der polnisch-jüdischen Beziehungen an der Stefan-Batory-Universität in Wilna], in: Przegląd Wschodni 9.3 2004, S. 575-601.

[27] Graboń, Agnieszka, Problematyka żydowska na łamach prasy akademickiej w okresie międzywojennym [Die jüdische Problematik in den Spalten der akademischen Presse in der Zwischenkriegszeit], Kraków 2008; Natkowska, Monika, Numerus clausus, getto ławkowe, numerus nullus, „paragraf aryjski“. Antysemityzm na Uniwersytecie warszawskim 1931–1939 [Numeruc clausus, Ghettobänke, „Arierparagraph”, Der Antisemitismus an Warschauer Universität 1931–1939], Warszawa 1999.

[28] „Przemówienie premiera Generała Sławoj-Składkowskiego“ [Die erste Rede General Sławoj-Składkowskis], in: Nasz Przegląd, 14.1.1937, S. 5-6.

[29] Sprawozdanie stenograficzne z 26 posiedzenia Sejmu Rzeczypospolitej Polskiej z dn. 4 czerwca 1936 r., okres IV, łam 7. Vgl. Adamczyk, Arkadiusz, „Felicjan Sławoj-Składkowski i Bogusław Miedziński wobec kwestii żydowskiej w ostatnich latach II Rzeczypospolitej“ [Felicjan Sławoj-Składkowski i Bogusław Miedziński angesichts der jüdischen Frage in den letzten Jahren der II. Republik], in: Acta Universitatis Lodziensis, Folia Historica 66, 1999,S. 159-178, hier S. 163-166.

[30] So die Erläuterung von Chodakiewicz, Marek Jan, Żydzi i Polacy [Juden und Polen], Warszawa 2000, S. 42.

[31] Bojarski, Jude, „Moje Grodno“ [Mein Grodno], in: Jasiewicz, Krzysztof (Hrsg.), Europa nieprowincjonalna [Das unprovinzielle Europa], Warszawa 1999, S. 235-236.

[32] Śleszyński, Wojciech, Zajścia antyżydowskie w Brześciu nad Bugiem 13 V 1937 r. [Antijüdische Geschehnisse in Brest am Bug am 13.5.1937], Białystok 2004; Żyndul, Jolanta, Zajścia antyżydowskie w Polsce w latach 1935–1937 [Die antijüdischen Geschehnisse in Polen in den Jahren 1935–1937], Warszawa 1994.

[33] Chodakiewicz, Marek Jan, Ciemnogród? O Prawicy i Lewicy [Finsterburg? Auf der rechten und linken Seite], Warszawa 1996; Gontarczyk, Piotr, Pogrom? Zajścia polsko-żydowskie w Przytyku 9 marca 1936 r. [Pogrom? Die polnisch-jüdischen Geschehnisse in Przytyk am 9. März 1936], Biała Podlaska, Pruszków 2000.

[34] Kotowski 2002, S. 195-196.

[35] Die inkonsistente Zensusbasis, die unterschiedlichen Rubriken (1921 Nationalität, 1931 Muttersprache) und Vorwürfe partieller Unregelmäßigkeiten lassen die Zahlen vage erscheinen. Vgl. Lakeberg, Beata, Die deutsche Minderheitenpresse in Polen 1918–1939 und ihr Polen- und Judenbild, Frankfurt a. M. u. a. 2010, S. 36-40.

[36] Gesamtdarstellung außer Kotowski 2002 auch: Kretinin, Sergej, Nemcy v Pol’še 1918–1939 [Deutsche in Polen, 1918–1939], Tambov 2019; Matelski, Dariusz, Niemcy w II Rzeczypospolitej (1918–1939) [Die Deutschen in der II. Republik (1918–1939)], Toruń 2018; Wynot, Edward D., „The Polish Germans 1919–1939“, in: The Polish Review 17, 1972, S. 23-64.

[37] Machetta-Madajczyk, Petra, Klassenkampf oder Nation? Deutsche Sozialdemokratie in Polen 1918–1939, Düsseldorf 1997.

[38] Graf, Philipp, Die Bernheim-Petition 1933. Jüdische Politik in der Zwischenkriegszeit, Göttingen 2008.

[39] Kotowski 2002, S. 116, 132, 192.

[40]Deutsch-polnisches Abkommen über Oberschlesien vom 15. Mai 1922, in: Reichsgesetzblatt Teil II, 1922, S. 238; Deutsch-Polnischer Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934.

[41] Kosmala, Beate, „Lodzer Juden und Deutsche im Jahr 1933. Die Rezeption der nationalsozialistischen Machtübernahmein Deutschland und ihre Wirkung auf das Verhältnis von jüdischer und deutscher Minderheit“, in: Hensel, Jürgen (Hrsg.), Polen, Deutsche und Juden in Lodz 1820–1939, Osnabrück 1999, S. 237-248.

[42] Kotowski 2002, S. 238.

[43] Die Darstellungen beider Seiten folgten lange den propagandistischen Konstruktionen. Etwa Dwinger, Edwin Erich, Der Tod in Polen. Die volksdeutsche Passion, Jena 1940; Serwański, Edward, Dywersja niemiecka i zbrodnie hitlerowskie w Bydgoszczy na tle wydarzeń w d. 3. IX. 1939 r. [Die deutsche Diversion und NS-Verbrechen in Bromberg vor dem Hintergrund der Ereignisse vom 3.9.1939], 2. Aufl., Poznań 1984; dagegen Jastrzębski, Włodzimierz, Mniejszość niemiecka w Polsce we wrześniu 1939 roku [Die deutsche Minderheit in Polen im September 39],Toruń 2010, S. 97-167 (deutsche Ausgabe: Die deutsche Minderheit in Polen im September 1939, Münster 2012). Böhler, Jochen, Auftakt zum Vernichtungskrieg: Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt a. M. 2006 hat ganz richtig auf beiden Seiten einen „Freischärlerwahn“ wahrgenommen, der zu den Ereignissen geführt habe.

[44] Gołba, Kazimierz, Wieża spadochronowa. Harcerze śląscy we wrześniu 1939 [Der Fallschirmspringerturm. Schlesische Pfadfinder im September 39], Katowice 1957. Dagegen: Bębnik, Grzegorz, Katowice we wrześniu ’39 [Kattowitz im September 39], Katowice 2006.

[45] Auch wenn polnische Historiker und Politiker nicht müde wurden, den Staat von 1918 als Fortsetzung desjenigen von 1795 zu charakterisieren, ist das ebenso wenig begründet, wie der Anschluss der baltischen Staaten von 1991 an die autoritären Vorkriegsstaaten. Der polnisch-litauische Staat war eine Adelsrepublik, die anational war, während die Republik Polen der Zwischenkriegszeit den Anspruch erhob, ein Nationalstaat zu sein, und ihre nicht-polnischen Minderheiten einschränkte, wo sie es konnte.

Literaturverzeichnis

[Letzter Zugriff auf elektronisch verfügbare Texte am 21. Januar 2021]

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Quellen

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Digitale Quellen

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Die 14 Punkte der Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Woodrow Wilson an den US-Kongress.

 

Lemberger Pogrome

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Minderheitenverträge

Minderheitenschutzverträge und in den „Pariser Vorortverträgen“ enthaltene entsprechende Bestimmungen

Faksimile des polnischen Texts des Minderheitenschutzvertrages mit der Republik Polen

Faksimile des polnischen Texts des Minderheitenschutzvertrages mit der Republik Polen

Minderheitenschutzvertrag zwischen den Alliierten und Assoziierten Hauptmächten und Polen. Versailles, 28. Juni 1919 (Kritische Edition)

 

Polen 1914–1939

[https://encyclopedia.1914-1918-online.net/regions/Poland].

[https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/poland].

[https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/polish_war_myths_east_central_europe].

[https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/post-war_military_action_and_violence_east_central_europe].

[https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/dmowski_roman].

[https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/pisudski_jozef].

 

Polnisches Judentum

NGO: Jewish Galicia and Bukovina Organization (JGB)

YIVO Jüdisches Forschungsinstitut, New York: Digitales Archiv zum Jüdischen Leben in Polen

Die Sammlung des Museums für die Geschichte der polnischen Juden, Warschau

Einführung zum Museum für die Geschichte der polnischen Juden, Warschau

POLIN – Museum für die Geschichte der polnischen Juden: das virtuelle Shtetl

YIVO Jüdisches Forschungsinstitut, New York: “Menschen aus tausend shtetl”: Der Online-Katalog zum jüdischen Leben in Osteuropa im Spiegel von Fotografien aus der Zeit vor dem Holocaust

 

Deutsche und Deutschtum in Polen

Polen, in: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa.

Boeckh, Katrin (Hrsg.), Galizien und die Galiziendeutschen (1914–1940). Kontext und Quellen, Herne 2018.

Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen.

Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa.

 

Deutsch-Polnische Verträge

Deutsch-polnisches Abkommen über Oberschlesien vom 15. Mai 1922, in: Reichsgesetzblatt Teil II, 1922, S. 238.

Deutsch-Polnischer Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934

Autor

Prof. Dr. Frank Golczewski 

Erschienen am 7. Januar 2022