Osteuropa "Simpl" erklärt: Das Bild Ost- und Südosteuropas in der Münchner Satirezeitschrift "Simplicissimus"

 

Wenn sie die Zähne fletschte, war Vorsicht geboten und wenn sie schnappte, tat es weh. Die rote Bulldogge des Simplicissimus nahm keine Rücksicht – auf nichts und niemanden. Bei der Wahl ihrer Beute war sie keineswegs lokal beschränkt: Dank bissiger Kritik sowohl an deutschen, aber auch an internationalen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen errang sie länderübergreifend Anerkennung. 

Knapp 125 Jahre nach der Gründung des Simplicissimus übte sich der 16. Jahrgang des Masterstudiengangs Osteuropastudien der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Regensburg als Hundefänger der ganz besonderen Art. In dem Themendossier „Osteuropa ‚Simpl‘ erklärt“ untersuchen die Studierenden das Bild Osteuropas in der berühmten Münchner Satirezeitschrift. 

Die Autorinnen und Autoren beschäftigen sich dabei besonders mit der Frage nach stereotypen Darstellungen der für den Simplicissimus typischen Karikaturen. Dabei laden sie nicht nur zu einer unterhaltsamen Reise in die Vergangenheit ein. An vielen Stellen muss sich auch gefragt werden, ob es sich bei diesen Stereotypen denn nun wirklich nur um Relikte vergangener Tage handelt oder ob diese nach wie vor in unseren Köpfen verankert sind.

Seien es „wilde Czechen“ oder „tapfere Rumänen“, „blinde Zaren“ oder „polnische Kläffer“ – die Studierenden aus München und Regensburg wagen sich genauso furchtlos an die bissige Bulldogge heran, wie sich diese während ihres fünfzigjährigen Bestehens auf ihre Ziele stürzte.

 

Bildnachweise

Einleitung: Heine, Thomas Theodor: Plakat für Simplicissimus „Teufel tanzt mit hoher Kunst“, 1896, via Wikimedia Commons, public domain | Die Geschichte des Simplicissimus und Einordnung der Essays: Heine, Thomas Theodor: Dies ist das Hundevieh, in: Simplicissimus, 4.4.1905, Jg. 10, Nr. 1, S. 1, gemeinfrei | Nikolaus II. und die russischen Krisenjahre 1904–1907: Heine, Thomas Theodor: Russischer Frühling, in: Simplicissimus, 6.5.1902, Jg. 7, Nr. 6, S. 41, gemeinfrei | Balkanismus an der Person Petar I. Karađorđević: Heine, Thomas Theodor: Serbische Königskrönung, in: Simplicissimus, 7.7.1903, Jg. 8, Nr. 15, S. 113, geimenfrei | Die deutsch-rumänischen Beziehungen und das Rumänienbild 1914–1918: Thöny, Eduard: Rumänische Dämmerung, in: Simplicissimus, 17.10.1916, Jg. 21, Nr. 29, S. 355 gemeinfrei | Die Antwort des Simplicissimus auf die Kriegsschuldfrage: Heine, Thomas Theodor: Im Balkan-Blutmeer, in: Simplicissimus, 13.7.1914, Jg. 19, Nr. 15, S. 248, gemeinfrei | Die Bärenmetapher während des Russischen Bürgerkriegs 1917–1921: Heine, Thomas Theodor: Wilson der Demokrat, in: Simplicissimus, 13.8.1918, Jg. 23, Nr. 20, S. 233, gemeinfrei | Osteuropäische Tierbilder im Simplicissimus: Schilling, Erich: Roosevelt und der Bolschewismus, in: Simplicissimus, 3.3.1943, Jg. 48, Nr. 9, S. 129, gemeinfrei | Die deutsch-polnischen Beziehungen in der Zwischenkriegszeit: Heine, Thomas Theodor: Das Selbstbestimmungsrecht der Polen, in: Simplicissimus, 5.11.1918, Jg. 23, Nr. 32, S. 397, gemeinfrei | Der Aufbau von Nationalstaaten in Polen und Tschechoslowakei: Schilling, Erich: Tschechiens Aufstieg, in: Simplicissimus, 1.4.1924, Jg. 29, Nr. 1, S. 4, gemeinfrei | Die Darstellung Polens und seiner "Patrone" in der Zwischenkriegszeit: Schilling, Erich: John Bull und der polnische Adler, in: Simplicissimus, 21.9.1939, Jg. 44, Nr. 20, S. 229, gemeinfrei | Das Bild osteuropäischer Juden* im "Simplicissimus": Heine, Thomas Theodor: Polonisierung Westpreußens, in: Simplicissimus, 23.9.1902, Jg. 7, Nr. 26, S. 201, gemeinfrei | Der 'deutsche Osten' in der Karikatur: Heine, Thomas Theodor: Die Böhmische Hundeswut, in: Simplicissimus, 14.12.1908, Jg. 13, Nr. 37, S. 621, gemeinfrei | Wolgadeutsche in der Bildpropaganda der Zwischenzeit: Schilling, Erich: Minderheitenschutz, in: Simplicissimus, 7.10.1934, Jg. 39, Nr. 28, S. 335, gemeinfrei | Britsch-sowjetische Beziehungen zu Beginn des Unternehmens Barbarossa: Schilling, Erich: Rückzug, in: Simplicissimus, 16.7.1941, Jg. 46, Nr. 29, S. 451, gemeinfrei

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