Glossar

Brežnev, Leonid Il'ič

Leonid Il'ič Brežnev (1906-1982) – war von 1964 bis 1982 Erster Sekretär (ab 1966 Generalsekretär) der KPdSU. Unter seiner Führung setzte in der UdSSR eine verschärfte Reglementierung des kulturellen Lebens sowie eine vorsichtige Rehabilitierung Stalins ein. Außenpolitisch verstärkte Brežnev den Einfluss auf die inneren Angelegenheiten der kommunistischen Staatenwelt, insbesondere in Europa. So wurde die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei mit der These der beschränkten Souveränität der Staaten (Brežnev-Doktrin) des sozialistischen Lagers gerechtfertigt.

Verwendete Literatur:

„Breschnew, Brežnev“ in: Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 3, Bed-Brn, Mannheim 1987.

Brus, Günter

Günter Brus (*1938) – ist ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller. Er zählt zu den wichtigsten österreichischen Künstlern nach 1945 und gilt als einer der Mitbegründer des Wiener Aktionismus. Zu seinen Aktionen gehören schwarz-weiße Körperbemalungen und Selbstverstümmelungen. Nach der Beteiligung an der Aktion „Kunst und Revolution“ wurde er zu sechs Monaten Arrest verurteilt, entging der Haftstrafe jedoch, indem er nach Berlin floh. 1979 kehrte er nach Österreich zurück. Er wendete sich vom Aktionismus ab und verband in seinen folgenden Werken zeichnerische und literarische Elemente.

Verwendete Literatur:

Ackerl, Isabella & Friedrich Weissensteiner, „Brus, Günter“ in: Österreichisches Personenlexikon der ersten und zweiten Republik, Wien: Ueberreuter, 1992, S. 61. 

Austria Forum, „Brus, Günter“, https://austria-forum.org/af/Biographien/Brus%2C_Günter, zuletzt geändert: 26. April 2017, zuletzt aufgerufen am 19.07.2018.

Císař, Čestmír

Čestmír Cisař (1920-2013) – war ein tschechoslowakischer Politiker und Publizist. Er trat 1945 in die KSČ ein, für die er hauptsächlich journalistisch tätig war. Er schrieb für die Parteiblätter „Propagandista“, „Nova Smysl“ und „Rudé Pravo“, deren stellvertretender Chefredakteur er 1958 wurde. Als er sich für den Reformkommunismus einsetzte, eckte innerhalb der Partei an. 1963 wurde er Bildungsminister – die Besetzung dieses Postens sollte ihn offenbar in seiner journalistischen Tätigkeit einschränken. Císař unterstützte die Forderungen des Prager Frühlings und spielte in diesem eine zentrale Rolle. Im März 1968, nach dem Rücktritt Antonín Novotnýs als Staatspräsident, bewarb er sich erfolglos um dieses Amt. Offiziell bedauerte er bereits im Herbst 1968 seine Beteiligung am Prager Frühling, wurde aber dennoch 1970 aus der KSČ ausgeschlossen. 1989 gründete er den Club „Obroda“, der einen sozialistischen Umbau in Tschechoslowakei forderte. Císař wurde Ende des Jahres für das Präsidentenamt vorgeschlagen, verzichtete aber zu Gunsten Václav Havels auf eine Kandidatur.

Verwendete Literatur:

„Císař, Čestmír“ in Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, www-1munzinger-1de-100123eal0a2a.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000007848, zuletzt abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 31.8.2018.

Chruščëv, Nikita Sergeevič

Nikita Sergeevič Chruščëv (1894-1971) – war von 1953 bis 1964 Erster Sekretär der KPdSU. Nach dem Tod Stalins leitete er auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 die sogenannte Entstalinisierung ein und brach dabei mit dem Personenkult um Stalin sowie dessen Herrschaftsmethoden. Außenpolitisch leitete Chruščëv mit der von ihm entwickelten These der friedlichen Koexistenz eine Entspannungsdiplomatie zwischen Ost und West ein. In seine Amtszeit fielen internationale Krisen wie der Ungarnaufstand 1956, das Berlin-Ultimatum 1958 und die Kubakrise 1961/62.

Verwendete Literatur:

„Chrustschow, Chruščëv“ in Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 4, Bro-Cos, Mannheim 1987.

Cohn-Bendit, Daniel

Daniel Cohn-Bendit (*1945) – ist ein deutsch-französischer Publizist und Politiker der französischen Partei Les Verts und von Bündnis 90/Die Grünen. Als stellvertretender Vorsitzender der Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz ist er Mitglied des Europäischen Parlaments. Bekanntheit erlangte er in den 1960er Jahren als Sprecher und Anführer der Pariser Mairevolution.

Verwendete Literatur:

Brochard, Aurelie, Sally Janzen, Sonja Meyrl & Cosima Möller, „Dany“, www.cohn-bendit.eu/de/dany, zuletzt abgerufen am 17.10.2018.

Černík, Oldřich

Oldřich Černík (1921-1994) – war ein tschechoslowakischer Politiker. Parallel zu seiner raschen Karriere innerhalb der KSČ qualifizierte er sich zum metallurgischen Ingenieur. Er wurde im März 1968 zum Ministerpräsidenten gewählt und zeigte sich reformwillig. Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR im August 1968 gehörte er neben Staatspräsident Svoboda, Parteichef Dubček und Josef Smrkovsky zu denjenigen, die das Diktat Moskaus zur Beendigung aller Reformen in der Tschechoslowakei unterschrieben. 1969 versuchte er sein Verhalten während des Prager Frühlings zu relativieren und verurteilte den Reformprozess öffentlich. 1970 verlor er dennoch das Amt des Ministerpräsidenten und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Danach hatte er keine politisch bedeutsamen Ämter mehr inne.

Verwendete Literatur:

„Černík, Oldrich“ in: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, www-1munzinger-1de-100123eal0a2a.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000011472, zuletzt abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 31.8.2018.

Čierna nad Tisou

Čierna nad Tisou – ist eine slowakische Kleinstadt im Dreiländereck zwischen der Slowakei, der Ukraine und Ungarn. Vom 29. Juli bis zum 1. August 1968 fanden in der Grenzstadt zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion bilaterale Verhandlungen zwischen Vertretern des sowjetischen Politbüros und der tschechoslowakischen Regierung statt. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Leonid Brežnev, Alexej Kossygin, Nikolaj Podgorny, Alexander Dubček und Ludvík Svoboda. Für die Sowjetunion waren die Verhandlungen der letzte Versuch, dem Prager Frühling und Dubčeks Reformkurs ohne Anwendung von Gewalt Einhalt zu gebieten. Den beiden Seiten gelang, in Čierna nad Tisou zumindest eine kurzfristige Einigung zu erreichen, die wenig später in Bratislava ratifiziert wurde.

Verwendete Literatur:

Schulze Wessel, Martin, Der Prager Frühling. Aufbruch in eine neue Welt. Stuttgart 2018, 271-280.

D-Day

D-Day – bezeichnet den Stichtag eines militärischen Unternehmens. Das „D“ steht für das englische Wort „day“, D-4 meint etwa den vierten Tag vor dem Beginn einer Militäroperation, D+1 den Tag danach. Heute bezieht sich die Bezeichnung „D-Day“ meist auf die Landung alliierter Truppen in der Normandie während des Zweiten Weltkriegs.

Verwendete Literatur:

The Oxford Companion to World War II, Oxford 1995.

de Gaulle, Charles

Charles de Gaulle (1890-1970) – war ein französischer General und Politiker. Nachdem er im Ersten Weltkrieg gedient hatte, setzte er sich als führender Kopf der Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzung und das Vichy-Regime durch. Er war von 1944 bis 1946 Präsident der Provisorischen Regierung sowie von 1959 bis 1969 Präsident der Fünften Republik. Verteidigungspolitischforcierte er den Aufbau Frankreichs zur Atommacht und löste 1966 das Land aus der NATO. Sein konservativer Regierungsstil und seine politische Ideologie (sog. Gaullismus) haben bis heute Nachwirkungen auf die französische Politik.

Verwendete Literatur:

„de Gaulle“ in: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden, Bd. 4, Leipzig 1997, 193-94.

Dubček, Alexander

Alexander Dubček (1921-1992) – war ein tschechoslowakischer Politiker und eine der zentralen Figuren des Prager Frühlings. Dubček wuchs größtenteils in der UdSSR auf, wo sein Vater im Rahmen der „Internationalen Arbeiterhilfe“ als Tischler tätig war. In den 1930er Jahre machte er eine Ausbildung zum Schlosser. 1939 trat er der illegal gegründeten Kommunistischen Partei der Slowakei (Komunistická strana slovenska – KSS) bei und war im antifaschistischen Widerstand tätig. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann sein Aufstieg innerhalb der KSČ. 1958 vollendete er sein Studium an der Parteihochschule des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU in Moskau mit Auszeichnung. Danach studierte er an der juristischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava und beschloss sein Studium mit einer sozialwissenschaftlichen Dissertation.

Am 6. Januar 1968 wurde er zum neuen Ersten Sekretär des ZK der KSČ gewählt und avancierte in der ersten Hälfte des Jahres 1968 zur Symbolfigur des Prager Frühlings. Nach dessen Niederschlagung wurde er nach Moskau verschleppt und gezwungen das "Moskauer Protokoll", das alle Reformprozess in der ČSSR beenden sollte, zu unterschreiben.

Im Gegensatz zu vielen seiner Mitstreiter distanzierte er sich nie von seinem Engagement für den Reformsozialismus. Aus der KSČ wurde er ausgeschlossen. Daraufhin war er als Aufsicht im Fuhrpark eines Forstbetriebs in Bratislava tätig, wo er bis zu seiner Pensionierung 1986 arbeitete.

Dubček unterstützte 1989 die Protestbewegung und den demokratischen Umbruch. Dass danach keine zentrale Rolle mehr spielte, lag auch daran, dass seine Person in den Augen vieler Menschen zu stark mit dem Kommunismus verknüpft war. Dennoch wurde er Parlamentspräsident, trat allerdings im Juli 1991 zurück, da er die slowakischen Abspaltungsbestrebungen nicht unterstützte.

Dubček starb am 7. Oktober 1992 an den Folgen eines Autounfalls.

Verwendete Literatur:

„Dubček, Alexander“ in: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, http://www-1munzinger-1de-100123eal0a2a.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000010324, zuletzt abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 31.8.2018.

Franco, Francisco

Francisco Franco (1892-1975) – war ein spanischer Militär und Politiker, seit 1934 Chef des Generalstabs und damit auch Oberbefehlshaber der spanischen Armee. Nach dem Sieg im Spanischen Bürgerkrieg, der sich aus einem Militärputsch Francos gegen die republikanische Regierung entwickelte, ernannte  eine Junta aus Aufständischen Franco zum Generalísimo, also zum Oberhaupt über Staat und Militär. Bis zu seinem Tod blieb er unter dem selbsternannten Titel „Caudillo“ Diktator und de facto Alleinherrscher des Landes. Spanien war unter Franco ein autoritäres, auf Armee, katholischen Klerus und Großgrundbesitz gestütztes Regime.

Verwendete Literatur:

„Francisco Franco Bahamonde“ in: Brockhaus Online, https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/franco-bahamonde-francisco

Funder, Friedrich

Friedrich Funder (1872-1959) – war ein österreichischer Publizist. Nach dem Abitur nahm er zunächst ein Studium der Theologie und Kunstgeschichte und dann der Rechtswissenschaften auf, welches er 1898 mit der Promotion abschloss. Er wirkte als Chefredakteur und Herausgeber der christlich-sozialen Tageszeitung „Die Reichspost“ bis diese 1938 von den Nationalsozialisten eingestellt wurde. Während des Kriegs war Funder in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg interniert. 1945 gründete er die Wochenzeitung „Die Furche“, deren Herausgeber und Chefredakteur er bis zu seinem Tod war.

Verwendete Literatur:

Skalnik, Kurt, „Funder, Friedrich“ in: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.), Neue Deutsche Biographie, Fünfter Band, Berlin 1961, 730-731.

Goldstücker, Eduard

Eduard Goldstücker (1913-2000) – war ein tschechoslowakischer Literaturwissenschaftler und politischer Aktivist. Er stammte aus einer jüdischen Familie in der heutigen Slowakei und studierte in den 1930er Jahren Germanistik und Romanistik in Prag. Goldstücker wurde 1942 in Oxford promoviert. Ab 1933 war er Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ). Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er im tschechoslowakischen Außenministerium und war 1950/51 der erste Botschafter seines Landes in Israel. Er wurde Opfer einer antisemitischen Kampagne und 1953 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1955 kam er jedoch frei und arbeitete fortan an der Karls-Universität in Prag. Um die Literatur Franz Kafkas in der sozialistischen Tschechoslowakei (wieder) bekannt zu machen, berief er 1963 die erste Kafka-Konferenz ein. Die politische Wirkung dieses Ereignisses wurde erst 1968 klar, als Goldstücker sich als Verfechter der Reformen des Prager Frühlings hervortat. In dessen Nachgang wurde er aus der KSČ ausgeschlossen und musste das Land verlassen. Ab 1971 lehrte er in England. 1991 kehrte Goldstücker nach Prag zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Verwendete Literatur:

„Goldstücker, Eduard“ in: Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, Ravensburg 2001, www-1munzinger-1de-100123e770ef2.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000012088, zuletzt abgerufen über Bayerische Staatsbibliothek am 06.08.2018.

Gomułka, Władysław

Władysław Gomułka (1905-1982) – war ein polnischer Politiker. Er wurde 1949 aus der in Polen regierenden PZPR ausgeschlossen, 1956 rehabilitiert und übernahm das Amt des Ersten Sekretärs der Partei. Während seiner Amtszeit führte er einige Änderungen ein, z.B. stoppte er die Kollektivierung der Landwirtschaft. In seiner Regierungszeit stagnierte die Wirtschaft, u.a. da er sich nicht bereit zeigte, Kredite aus dem Westen aufzunehmen. Daraufhin erhoben sich in Polen Proteste. 1970, als Gomułka gerade einen großen politischen Erfolg erzielt hatte – er hatte den „Warschauer Vertrag“ mit der BRD ausgehandelt, der die Festlegung der Oder-Neiße-Grenze brachte – kam es aufgrund von zunehmenden Preissteigerungen zu blutigen Protesten, insbesondere in den Hafenstädten im Norden Polens. Gomułka, der inzwischen auch gesundheitlich angeschlagen war, musste daraufhin das Amt des Ersten Sekretärs abgeben und schied aus dem Politbüro aus. Danach hatte er keine politisch wichtigen Ämter mehr inne.

Verwendete Literatur:

Eintrag „Gomulka, Wladislaw“ in Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: www-1munzinger-1de-100123eb705d7.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000002066 (abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 18.10.2018)

Gulaschkommunismus

Gulaschkommunismus – ist die umgangssprachliche Bezeichnung des System, unter János Kádár in Ungarn entstand. Kádár leitete Mitte der 1960er Jahre Reformen ein, die begrenzte privatwirtschaftliche Aktivitäten und Reisen ins westliche Ausland ermöglichten. Die Zensur wurde gelockert, die Wirtschaft fokussierte sich weniger auf die Produktion von Industriegütern und stellte verstärkt Konsumgüter her. Einhergehend mit starken Lohnsteigerungen führten diese Reformen zur Verbesserung des Lebensstandards und zur Herausbildung einer Konsumgesellschaft. Gleichzeitig kam es zu einer politischen und kulturellen Liberalisierung, die beispielsweise politische Satire über die stalinistische Rákosi-Diktatur erlaubte. Hiervon war allerdings der Ungarnaufstand ausgeschlossen, der weiterhin strikt als Konterrevolution bezeichnet wurde.

Verwendete Literatur:

Klimó, Árpád von, Ungarn seit 1945, Göttingen 2006.

Hendrych, Jiří

Jiří Hendrych (1913-1979) – war ein tschechoslowakischer Parteifunktionär. Schon während seiner Jugend engagierte er sich in verschiedenen kommunistischen Vereinigungen. In den 1930er Jahren wurde er wegen politischer Agitation der Karls-Universität verwiesen und von 1941 bis 1945 war er im Konzentrationslager Mauthausen inhaftiert.

1945 wurde er Mitarbeiter im Sekretariat des Zentralkomitees der KSČ, in der er rasch aufstieg. Er galt als Vertrauter Novotnýs, tolerierte aber die Reformbestrebungen des Prager Frühlings. Aus diesem Grund musste er im März 1968 seine Ämter niederlegen, 1971 wurde er aus dem Zentralkomitee entfernt. Später verurteilte er die Reformbestrebungen des Prager Frühlings offiziell.

Verwendete Literatur:

„Hendrych, Jiří“ in: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, www-1munzinger-1de-100123eal0a2a.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000011013, zuletzt abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 31.8.2018.

Hus, Jan

Jan Hus (1369-1415) – war ein Theologe, Prediger, eine Zeitlang Rektor der Karls-Universität in Prag, religiöser Reformator und einer der wichtigsten Vorgänger des Protestantismus. Beeinflusst von John Wycliff, kritisierte Hus den Klerus für sein Besetzstreben und forderte, zur Bibel als Autorität in allen Glaubensfragen zurückzukehren. Er hielt seine Predigten vor den Prager Massen in der Landessprache und forderte, dass sie in allen Gottesdiensten eingeführt werde. Seine Vorträge erfreuten sich großer Popularität, was wiederum die Aufmerksamkeit der kirchlichen Autoritäten erregte. 1410 wurde Hus für seine Lehre exkommuniziert und als er während des Konzils von Konstanz seine Ideen nicht widerrief, als Ketzer verbrannt. Sein Tod löste in Böhmen reformatorische Bewegungen aus, die sich nach ihrem Märtyrer „Hussiten“ nannten. Jan Hus gilt bis heute als Symbolfigur des tschechischen Nationalismus. Der Tag seines Todes ist ein Nationalfeiertag.

Verwendete Literatur:

Soukup, Pavel, Jan Hus. Prediger - Reformator – Märtyrer. Stuttgart 2014.

Johnson, Lyndon B.

Lyndon B. Johnson (1908-1973) – war ein amerikanischer Politiker und der 36. Präsident der Vereinigten Staaten. Er stammte aus Texas, wo er sich den Demokraten anschloss. Er diente unter John F. Kennedy als Vizepräsident. Nach dessen Ermordung im November 1963 wurde Johnson Präsident. 1964 verhalf ihm das Versprechen, alle amerikanischen Soldaten aus dem Vietnamkrieg abzuziehen, zur Wiederwahl. Als er Vietnam danach offiziell den Krieg erklärte und mehr Soldaten als zuvor einsetzte, erstarkte die Antikriegsbewegung. Um die Gesellschaft zu beruhigen, stellte die Regierung den Krieg als beinahe gewonnen dar, was allerdings nicht der Realität entsprach. Diese Glaubwürdigkeitslücke schwächte zusammen mit den sich verschärfenden sozialen Unruhen Johnsons Autorität. 1968 kündigte Johnson an, bei der nächsten Wahl nicht mehr anzutreten. Er zog sich zurück und starb wenige Jahre später an einem Herzschlag.

Verwendete Literatur:

Gardner, Lloyd, „Johnson, Lyndon Baines“ in: American National Biography Online, https://doi.org/10.1093/anb/9780198606697.article.0700147 abgerufen am 28.07.2018.

Kádár, János

János Kádár (1912-1989) – war ein ungarischer Politiker und über 30 Jahre Generalsekretär der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Kádár wurde im heutigen Rijeka geboren und schloss sich bereits mit 17 Jahren der kommunistischen Bewegung an. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kádár Mitglied des ungarischen Politbüros und später Innenminister. 1951 wurde er seiner Ämter enthoben,  1952 aufgrund von Spionagevorwürfen zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst ein Jahr später rehabilitierte ihn Imre Nagy. Kádár war maßgeblich an der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands im Jahr 1956 beteiligt, da er militärische Hilfe von der Sowjetunion erbat. Nach der vereitelten Revolution wurde Kádár als Generalsekretär eingesetzt, er blieb bis 1988 im Amt. Seine Regierungszeit war anfangs von Repressionen geprägt, später schlug Kádár einen deutlich liberaleren Kurs ein. Kádár gilt als Begründer des sogenannten „Gulaschkommunismus“, der wirtschaftlichen Reformen ab den 1960er Jahren, die Ungarn zu wachsendem Wohlstand bei politischem Stillhalten der Bevölkerung führte. Kádár verfolgte diesen Kurs bis in die 1980er Jahre, zeigte sich der Sowjetunion gegenüber aber stets loyal. Kádár trat im Mai 1988 vom Amt des Generalsekretärs zurück und starb ein Jahr später.

Verwendete Literatur:

Klimó, Árpád von, Ungarn seit 1945, Göttingen 2006.

Kirchweger, Ernst

Ernst Kirchweger (1898-1965) – war ein österreichischer kommunistischer Widerstandskämpfer. Er arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1963 im Verlagswesen. 1916 war er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs beigetreten, wechselte 1934 jedoch zur Kommunistischen Partei und war während der austrofaschistischen Diktatur im kommunistischen Widerstand aktiv. 1965 nahm er an der Demonstration gegen Taras Borodajkewycz teil, bei der er von einem Rechtsextremisten niedergeschlagen wurde und zwei Tage später den Verletzungen erlag. Die Trauerkundgebung war mit mehr als 25 000 Teilnehmenden die bis dahin größte antifaschistische Kundgebung der Zweiten Republik. 

Verwendete Literatur:

Manfred Mugrauer, Biographie des Monats März 2015. Das erste Opfer politischer Gewalt in der Zweiten Republik. Ernst Kirchweger, https://www.oeaw.ac.at/inz/forschungsbereiche/kulturelles-erbe/forschung/oesterreichisches-biographisches-lexikon/biographien-des-monats/maerz-2015/, zuletzt aufgerufen am 20.07.2018.

Klaus, Josef

Josef Klaus (1910-2001) – war ein österreichischer Politiker. Er studierte Rechtswissenschaften und wurde 1934 in diesem Fach promoviert. Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft eröffnete er 1948 eine Rechtsanwaltskanzlei. Bevor er 1964 Bundeskanzler wurde, war er Landeshauptmann von Salzburg, Finanzminister sowie Bundesparteiobermann der ÖVP.

Verwendete Literatur:

Weinmann, Beatrice & Josef Klaus. Ein großer Österreicher, Wien 2000.

Ackerl, Isabella & Friedrich Weissensteiner, „Klaus, Josef“ in: Österreichisches Personenlexikon der ersten und zweiten Republik, Wien 1992, 226.

Klein-Jánský, Radko

Radko Klein-Jánský (1928-2008) – war ein tschechoslowakischer Journalist, Professor der Politologie und antikommunistischer Widerstandskämpfer. Kurz nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei im Februar 1948 schloss er sich der amerikanischen Spionageorganisation CIC (Counter Intelligence Corps) an und versuchte in der Tschechoslowakei Kontakte zu knüpfen. Seine Tätigkeit wurde aufgedeckt und er war gezwungen, in die USA zu emigrieren. Er ließ sich in Saint Louis nieder und lehrte nach seiner Promotion Politologie am dortigen Maryville College. Er war aktives Mitglied des konservativ ausgerichteten Verbands der Tschechoslowakischen Exilanten in Chicago und der Hauptkommentator der Verbandszeitung Zpravodaj, in der er vor allem unter dem Pseudonym „Emil Ludvík“ publizierte. 1997 zog er sich in sein Heimatdorf in Südböhmen zurück. Vor seinem Tod widmete Klein-Jánský seine Zeit weiteren politischen Tätigkeiten für die christlich-demokratische Partei (KDU-ČSL).

Verwendete Literatur:

Cholinský, Jan, „Radko Klein-Jánský, český patriot a katolický intelektuál v protikomunistickém odboji“ in: Jiří Štancl (Hrsg.), Třetí odboj na Klatovsku a Domažlicku. Sborník příspěvků ze stejnojmenné konference. Klatovy 2015.

Komunistická strana Československa

Komunistická strana Československa (KSČ) [Kommunistische Partei der Tschechoslowakei] – war in den Jahren 1948 bis 1989 alleinige Regierungspartei in der Tschechoslowakischen Republik. Die Partei gründete sich im Mai 1921 durch die Abspaltung von der Tschechoslowakischen Sozialdemokratischen Partei (ČSSD). 1929 erfolgte die Stalinisierung. Während des Zweiten Weltkriegs war die KSČ verboten, arbeitete aber illegal weiter und stellte ein Zentrum der Widerstandsbewegung dar. Das brachte ihr nach Kriegsende viele Sympathien ein, so war sie die stärkste Kraft der 1945 gegründeten Nationalen Front und erhielt in den Wahlen von 1946 den größten Stimmenanteil. Im Februar 1948 setzte die die KSČ ihr Machtmonopol durch, es begann eine Phase der Verfolgung und Schauprozesse. 1968 strebte die KSČ unter der Führung von Alexander Dubček eine eigene Form des Sozialismus an. Die sowjetische Führung betrachtete dieses reformsozialistische Experiment als konterrevolutionär. Nach der militärischen Intervention im August 1968 wurde eine konservative, Moskau-treue Parteiführung unter Gustáv Husák eingesetzt, die einen Prozess der „Normalisierung“ einleitete. Das Machtmonopol der KSČ wurde am 17. November 1989 durch die Samtene Revolution beendet. Die heutige Nachfolgeorganisation der KSČ in Tschechien ist die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens KSČM.

Verwendete Literatur:

Malíř, Jiří & Pavel Marek (Hrsg.), Politické strany. Vývoj politických stran a hnutí v českých zemích a Československu 1861-2004 [Politische Parteien. Entwicklung der politischen Bewegungen in Böhmischen Ländern und der Tschechoslowakei 1861-2004] Bd. 2. Brno 2005.

Kommunističeskaja Partija Sovjetskogo Sojusa

Kommunističeskaja Partija Sovjetskogo Sojusa (KPSS) [Kommunistische Partei der Sowjetunion, KPdSU] – war die regierende Partei der Sowjetunion. Sie ging 1925 aus der seit 1918 existierenden Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) hervor und verfolgte das Ziel, die marxistisch-leninistische Ideologie zu verwirklichen. Die KPdSU war eine Kaderpartei, die sich nach den Grundsätzen des sogenannten demokratischen Zentralismus organisierte. Höchstes Parteiorgan war der Parteitag, der das Zentralkomitee als Leitorgan für fünf Jahre wählte. Aus diesem gingen die beiden höchsten Entscheidungsgremien, das Politbüro und das Sekretariat des ZK, hervor. Das Machtmonopol der KPdSU wurde 1990 aufgehoben, nach dem Putschversuch vom August 1991 wurde die Partei verboten.

Verwendete Literatur:

„Kommunistische Partei der Sowjetunion“ in: Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 12, Kir-Lag, Mannheim 1990.

„Tschistka“ in: Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 22, Tep-Ur, Mannheim 1993.

Longo, Luigi

Luigi Longo (1900-1980) – war von 1964 bis 1972 Generalsekretär der Italienischen Kommunistischen Partei (PCI). Er gehörte 1921 zu den Gründungsmitgliedern der PCI und dem Zentralkomitee ihrer Jugendorganisation an. Er arbeitete im antifaschisten Widerstand, floh aber 1927 ins Exil nach Paris. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Longo in Frankreich und Italien festgehalten. Dort versuchte er, Widerstand gegen die deutschen Besatzer zu organisieren. Er überließ den Parteivorsitz Palmiro Togliatti und übernahm diese Rolle erst nach dessen Tod 1964. Nach der Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei 1968 unterschrieb er den „grave dissenso“ [‚schwerwiegenden Dissens‘] mit der Entscheidung der Sowjetunion. Eine schwere Erkrankung Ende 1968 schränkte ihn stark ein und führte zu seiner Ablösung als Generalsekretär 1972. Er blieb kritisch gegenüber der Politik der KPdSU und verurteilte den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1979. 

Verwendete Literatur:

Sircana, Giuseppe, „LONGO, Luigi“ in: Dizionario Biografico degli Italiani, Nr. 65, Roma 2005, http://www.treccani.it/enciclopedia/luigi-longo_(Dizionario-Biografico, zuletzt abgerufen am 6.8.2018.

Lorenz, Willy

Willy Lorenz (1914-1995) – war ein österreichischer Historiker und Journalist. Ab 1946 war er Redakteur der Wochenzeitung „Die Furche“, deren Chefredaktion er später übernahm. Gleichzeitig war er im Herold-Verlag tätig, den er zu einem der wichtigsten katholischen Verlage ausbaute. Als Historiker publizierte er insbesondere über die Geschichte Böhmens und lehrte an der Universität Graz. Ab 1974 war er österreichischer Kulturrat in Prag, wo er oppositionelle Intellektuelle unterstützte.

Verwendete Literatur:

Ackerl, Isabella & Friedrich Weissensteiner, „Lorenz, Willy“ in: Österreichisches Personenlexikon der ersten und zweiten Republik, Wienn 1992, 282. 

Manifest der 2000 Worte

Manifest der 2000 Worte – auch: „Zweitausend Worte, die an Arbeiter, Landwirte, Beamte, Künstler und alle gerichtet sind“ [Dva tisíce slov, které patří dělníkům, zemědělcům, úředníkům, umělcům a všem] war ein Manifest, das eine radikalere Fortsetzung der Reformbewegung forderte. Es sprach die Verbrechen offen an, die während des Stalinismus verübt worden waren und kritisierte die Kommunistische Partei (KSČ) für ihre zögerliche Haltung im Reformprozess. Verfasst wurde es auf Anregung von Mitarbeitern der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften, u.a. Otto Wichterle, von dem Schriftsteller Ludvík Vaculík. Das Manifest erschien mit einer Liste von Erstunterzeichnern am 27. Juni 1968 nicht nur in der Zeitschrift Literární listy (Literarische Blätter), sondern auch in den Tageszeitungen Lidové noviny (Die Volkszeitung), Práce (Die Arbeit), Mladá fronta (Die Junge Front) und Zemědělské noviny (Landwirtschaftliche Zeitung) und löste vehemente Reaktionen in der Bevölkerung aus. Die KSČ lehnte es ab, auch weil die Reformer es als Gefahr für ihre Politik sahen. Die Gegner der Reform sahen das Manifest wiederum als konterrevolutionäres Dokument an. In den Augen der sowjetischen Führung offenbarte seine Veröffentlichung, dass die KSČ die Kontrolle über die öffentliche Meinung verloren hatte.

Verwendete Literatur:

Schulze Wessel, Martin, Der Prager Frühling. Aufbruch in eine neue Welt, Stuttgart 2018.

Masaryk, Tomáš Garrigue

Tomáš Garrigue Masaryk (1850-1937) – gilt als Gründervater der unabhängigen Tschechoslowakei und war ihr erster Präsident. Masaryk, der Philosophie studiert hatte und als Professor in Wien und Prag wirkte, war seit den 1890er Jahren in der Politik aktiv. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ging er ins Exil, wo er zusammen mit seinem Mitarbeiter Eduard Beneš den Tschechoslowakischen Nationalausschuss gründete. Er förderte die Entstehung der tschechoslowakischen Legionen und setzte sich bei den Alliierten für die Schaffung eines unabhängigen tschechoslowakischen Staates ein. Im November 1918 wurde Masaryk zum Präsidenten der jungen Republik ernannt und 1920, 1927 und 1934 in seinem Amt bestätigt. Er trat wegen Krankheit im Dezember 1935 zurück und wurde durch Edvard Beneš ersetzt. Masaryk wird bis heute als Symbol für Demokratie und Freiheit wahrgenommen.

Verwendete Literatur:

Kolář, František (Hrsg.), Politická elita meziválečného Československa 1918-1938. Kdo byl kdo za první republiky [Politische Elite der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit 1918-1938. Wer war wer in der Ersten Republik], Praha 1998.

Magyar Szocialista Munkáspárt

Magyar Szocialista Munkáspárt (MSzMP) [Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei] – war eine politische Partei in der Ungarischen Volksrepublik. Sie entstand im Jahr 1956 nach der Niederschlagung des Ungarnaufstands, als ihre Vorgängerpartei, die Partei der Ungarischen Werktätigen, umbenannt wurde. Sie war die regierende kommunistische Partei des Landes. Nach dem Systemwechsel im Jahr 1989 wurde die Partei in Ungarische Sozialistische Partei (Magyar Szocialista Párt) umbenannt und richtete sich eher sozialdemokratisch aus.

Verwendete Literatur:

Klimó, Árpád von, Ungarn seit 1945, Göttingen 2006.

Magyar Távirati Iroda

Magyar Távirati Iroda (MTI) – bezeichnet die im Jahr 1880 gegründete ungarische Nachrichtenagentur. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter die Kontrolle der kommunistischen Regierung gestellt und war die einzige Nachrichtenagentur in der Ungarischen Volksrepublik. Die MTI bereitete die Nachrichten auf, die ihr von der Partei übermittelt wurden und leitete außerdem Nachrichten ausländischer Dienste, die im Vorfeld selektiert wurden, an die Redaktionen weiter. 

Verwendete Literatur:

Klein, Judit, Die Geschichte und Funktion der deutschsprachigen Minderheitenmedien in Ungarn im Sozialismus, Budapest 2015.

Münchner Abkommen

Münchner Abkommen – bezeichnet einen am 29./30. September 1938 zwischen Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien zur Lösung der sogenannten Sudetenkrise, d.h. des Konfliktes um die in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen, geschlossenen Vertrag. Die Tschechoslowakei selbst war von dessen Verhandlung ausgeschlossen. Das Abkommen bestimmte, dass die Tschechoslowakei ihre Randgebiete, in denen 3,5 Millionen Deutsche lebten, an das Reich abzugeben hatte.  Die deutsche Wehrmacht besetzte dieses Gebiet im Oktober 1938.

Verwendete Literatur:

„Münchner Abkommen“ in: Brockhaus Online, https://brockhaus.at/ecs/enzy/article/munchener-abkommen.

Nixon, Richard

Richard Nixon (1913-1994) – war ein amerikanischer Politiker und 37. Präsident der Vereinigten Staaten. Er wurde in Kalifornien geboren und studierte Rechtswissenschaften. Während des Zweiten Weltkriegs diente er bei der Marine im Pazifik. In der Eisenhower-Regierung war er republikanischer Vizepräsident. Bereits 1960 bemühte er sich um das Präsidentenamt, wurde jedoch erst 1968 in dieses Amt gewählt. Nixon bemühte sich um eine neue Balance in den internationalen Beziehungen und eröffnete einen Dialog mit China, der die UdSSR zu Kompromissen zwang. Seine Strategie, den Vietnamkrieg durch intensive Bombardierungen zu gewinnen, scheiterte. Das schwächte seine  Glaubwürdigkeit, dennoch wurde Nixon 1972 als Präsident wiedergewählt. Wenige Monate erfolgte der Einbruch in den Hauptsitz des „Democratic National Committee“ im Watergate-Gebäudekomplex. Nixon versuchte, die Beteiligung seiner Regierung an dieser illegalen Aktion zu vertuschen. Um der Amtsenthebung zu entgehen, trat Nixon am 8. August 1974 zurück. Gerald Ford sprach ihn einen Monat darauf von allen Vorwürfen frei.

Verwendete Literatur:

Hoff, Joan, „Nixon, Richard Milhous“ in: American National Biography Online, https://doi.org/10.1093/anb/9780198606697.article.0700684, abgerufen am 28.07.2018.

Novotný, Antonín

Antonín Novotný (1904-1975) – war ein tschechoslowakischer kommunistischer Politiker, Generalsekretär der KSČ und von 1957 bis 1968 zugleich der Präsident der Tschechoslowakei. Er stammte aus einer Prager Arbeiterfamilie. 1921 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei. Von 1941 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er im Konzentrationslager Mauthausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung wurde er Mitglied des Zentralkomitees der KSČ und folgte Klement Gottwald 1953 im Amt des Ersten Sekretärs. In den 1960er Jahren wuchs die Kritik an seiner rigiden Politik und seiner Person. Am 5. Januar 1968 wurde er als Parteichef von Alexander Dubček abgelöst. Am 22. März musste er auch von seinem Präsidentenamt zurückzutreten. Sein Nachfolger war der General Ludvík Svoboda. Im Juni gab er unter Druck auch seine Position im Zentralkomitee der KSČ auf und zog sich aus dem politischen Leben zurück. Während der Normalisierung wurde seine Mitgliedschaft im Zentralkomitee zwar erneuert, Novotný erreichte aber keinen nennenswerten Einfluss mehr.

Verwendete Literatur:

Jan Rataj (Hrsg.), Československo v proměnách komunistického režimu [Die Tschechoslowakei im Wandel des kommunistischen Regimes]. Praha 2010.

Österreichische Volkspartei

Österreichische Volkspartei (ÖVP) – gegründet 1945, ist eine christdemokratische, bürgerlich-konservative Partei, die sich als Vertretung aller österreichischen Bürgerinnen und Bürger versteht. Sie folgt einem christlichen Weltbild und bekennt sich zur parlamentarischen Demokratie und zur österreichischen Nation. Sie dominierte die österreichische Politik als stärkere Regierungspartei in der Koalition mit der Sozialistischen Partei Österreichs (1947-1966) sowie als Träger der ersten Alleinregierung (1966-1970).

Verwendete Literatur:

Die Neue Volkspartei, Die Geschichte der Volkspartei, https://www.oevp.at/Die-Geschichte, zuletzt aufgerufen am 20.07.2018.

„Österreichische Volkspartei ÖVP“ in: Österreich Lexikon, http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.o/o804195.htm, zuletzt aufgerufen am 20.07.2018.

Parti communiste français

Parti communiste français (PCF) [Kommunistische Partei Frankreichs] – ist eine französische politische Partei. Nachdem sich die französische Arbeiterbewegung Anfang des 20. Jh. zunehmend radikalisiert hatte, gründete sich die PCF 1920 als Abspaltung von der französischen Sektion der Zweiten Internationale. L’Humanité war lange Zeit ihre offizielle Parteizeitung. Zwar bestritten die französischen Kommunisten, dass die Maiunruhen 1968 in ihrem Land revolutionäres Potenzial hatten. An der Niederschlagung des Prager Frühlings regte sich innerhalb der PCF jedoch Kritik.

Verwendete Literatur:

Schmidt, Bernhard, Jürgen Doll, Walther Fekl, Siegfried Loewe & Fritz Taubert, Frankreich Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Kultur, Presse- und Bildungswesen, Berlin 2005, 729-35.

Partito comunista italiano

Partito comunista italiano (PCI) [Italienische Kommunistische Partei] – war eine italienische politische Partei. Auf Bestreben von Antonio Gramsci entstand sie 1921 als Abspaltung von der Sozialistischen Partei (PSI) unter dem Namen Kommunistische Partei Italiens (PCD’I). Von 1927 bis 1943 gingen ihre Mitglieder in den Untergrund oder ins Exil. Palmiro Togliatti hatte die Leitung der Partei übernommen. Sie blieb als antifaschistische Kraft bestehen. Ab 1943 kehrten ihre Funktionäre zurück und etablierten die Partei unter dem Namen PCI. In den 1950er Jahren kam es zum erneuten Zerwürfnis mit der PSI über die Nähe zur Sowjetunion. So unterstützte die PCI den Einmarsch in Ungarn 1956. Nach Togliattis Tod 1964 übernahm Luigi Longo die Parteiführung. Unter ihm beteiligte sich die Partei an den Arbeiterkämpfen von 1968. Sie verurteilte den Einmarsch in der Tschechoslowakei 1968, löste sich aber erst in den 1980er Jahren von der KPdSU. In dieser Zeit verlor die PCI zunehmend Wähler und Mitglieder und löste sich 1991 auf.  

Verwendete Literatur:

„Partito comunista italiano“ in: Dizionario di Storia, Roma 2011, http://www.treccani.it/enciclopedia/partito-comunista-italiano_%28Dizionario-di-Storia%29/, zuletzt abgerufen  am  06.08.2018.

Partito socialista italiano

Partito socialista italiano (PSI) [Italienische Sozialistische Partei] – war eine italienische politische Partei. Entstanden 1892 aus der revolutionären Arbeiterbewegung stieg die PSI nach dem Ersten Weltkrieg zur stärksten politischen Kraft in Italien auf. Innere Konflikte führten aber 1921 zur Abspaltung von der PCI. Nach dem Zweiten Weltkrieg vertiefte sich die Spaltung, speziell 1956 in Bezug auf das Verhältnis zur KPdSU. 1963 trat die PSI in eine Regierungskoalition der „centro-sinistra“ [„Mitte-links“] ein. Von 1966 bis 1968 bildete sie zusammen mit der sozialdemokratischen Partei die Vereinigte Sozialistische Partei (PSU). Die PSI war weiterhin an Regierungen beteiligt und stellte von 1983 bis 1987 den Ministerpräsidenten. Dessen Korruptionsskandal und anschließende finanzielle Schwierigkeiten führten zur Auflösung 1994. Seit 2009 gibt es wieder eine Partei in Italien, die den Namen PSI führt. 

Verwendete Literatur:

„Partito socialista italiano“ in: Dizionario di Storia, Roma 2011, http://www.treccani.it/enciclopedia/partito-socialista-italiano_%28Dizionario-di-Storia%29/, zuletzt abgerufen am 06.08.2018.

Peroutka, Ferdinand

Ferdinand Peroutka (1895-1978) – war als Prager Schriftsteller und Journalist einer der wichtigsten Stimmen der demokratischen Öffentlichkeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik. 1929 bis 1939 arbeitete er als Chefredakteur der Wochenzeitung Přítomnost (Gegenwart) und als politischer Redakteur der Tageszeitung Lidové Noviny (Volkszeitung). Er gehörte zu dem Kreis um Eduard Beneš und Tomáš G. Masaryk. 1939 wurde er von den nationalsozialistischen Besatzern festgenommen, und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er in Dachau und Buchenwald in Haft. Nach seiner Rückkehr gab er die einflussreiche Wochenzeitung Dnešek (Heute) heraus, war Chefredakteur der Svobodné Noviny (Freie Zeitung) und Mitglied der Nationalversammlung. Nach der kommunistischen Machtübernahme 1948 ging er ins Exil. 1950 traf er in New York ein, wo er Mitglied des Rats der freien Tschechoslowakei wurde. In den Jahren 1951 bis 1961 leitete Peroutka die tschechische Abteilung von Radio Free Europe. Er starb im Exil.

Verwendete Literatur:

Pittauer, Ondřej, „Ferdinand Peroutka“ in: Slovník české literatury po roce 1945 [Das Wörterbuch der Tschechischen Literatur nach dem Jahr 1945], 30.11.2006, http://www.slovnikceskeliteratury.cz/showContent.jsp?docId=428, zuletzt abgerufen am 28.07.2018.

Procházka, Jan

Jan Procházka (1929-1971) – war ein tschechischer Schriftsteller und eine der bekanntesten Intellektuellen des Prager Frühlings. In der Nachkriegszeit engagierte er sich für den Aufbau des Sozialismus: Er arbeitete im Zentralkomitee der Sozialistischen Staatsjugend und schrieb nebenbei Literatur und Drehbücher. Ab 1958 widmete er sich nur noch dem Schreiben. Auf dem Schriftstellerkongress 1967 bekannte er sich öffentlich zu den Reformbewegungen des Prager Frühlings und setzte sich für mehr künstlerische Freiheiten ein, woraufhin er 1969 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Er starb im Februar 1971 an einem Krebsleiden. 

Verwendete Literatur:

 „Prochazka, Jan“ in: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, http://www-1munzinger-1de-100123eal0a2a.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000012951, zuletzt abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 31.8.2018.

Polska Zjednoczona Partia Robotnicza

Polska Zjednoczona Partia Robotnicza (PZPR) [Polnische Vereinigte Arbeiterpartei] – war eine kommunistische Kaderpartei; zwischen 1948 und 1989 hatte sie in der Volksrepublik Polen das Machtmonopol inne. 1948 aus dem Zusammenschluss der Polnischen Arbeiterpartei [Polska Partia Robotnicza] und der Polnischen Sozialistischen Partei [Polska Partia Socjalistyczna] entstanden, wurde Polen zur Volksrepublik transformiert – unter anderem wurde die Planwirtschaft eingeführt und die Landwirtschaft kollektiviert. In Phasen wirtschaftlicher Stagnation gab es in der Partei zwar Reformwille, doch erst 1980 wurden ernsthafte Versuche unternommen, tiefgreifende Veränderungen durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt fehlte der Partei bereits der Rückhalt in der Bevölkerung. Als im Jahr 1989 Wahlen zugelassen wurden, fand die PZPR nur wenig Zuspruch. Sie löste sich 1990 selbst auf.    

Verwendete Literatur:

Schneider, Hubert, Noch ist Polen nicht verloren?! Vorbedingungen, Ergebnisse und Probleme der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung 1918-1990, in: Bonetsch, Bernd & Manfred Grieger, Was früher hinterm Eisernen Vorhang war. Kleine Osteuropakunde vom Baltikum bis Bessarabien, Dortmund 1991, 116-136.

Rabas, Jaroslav

Jaroslav Rabas (Lebensdaten unbekannt) – war ein tschechoslowakischer Geschäftsmann und Präsident des Verbands der Tschechoslowakischen Exilanten in Chicago. Als Mitglied der nach dem Zweiten Weltkrieg verbotenen Agrarierpartei wurde er vom Regime verfolgt. Er flüchtete mit seiner Familie im August 1949 nach Chicago, wo er in einer Fabrik arbeitete und die Geschäftsleitung der lokalen „Sokol“-Organisation übernahm. Kurz nach seiner Ankunft gründete er den Verband der Tschechoslowakischen Exilanten in Chicago als konservative Gegenstimme zum liberal ausgerichteten Rat der freien Tschechoslowakei und wurde zu dessen Vorsitzenden. Später kaufte er eine Reiseagentur, die sich auf Reisen in die Tschechoslowakei konzentrierte. Dieses Geschäftsmodell stieß in der konservativen Gemeinschaft auf heftige Kritik.

Verwendete Literatur:

Nekola, Martin, České Chicago, Praha 2017.

Radio Free Europe

Radio Free Europe – auch Radio Liberty genannt, wurde während des Kalten Krieges gegründet, um unzensierte Informationen an das Publikum hinter dem „Eisernen Vorhang“ zu bringen. Heute berichten Journalisten aus 20 Ländern, in denen die Pressefreiheit eingeschränkt ist, für den vom amerikanischen Kongress finanzierten Radiosender.

Verwendete Literatur:

Bischof, Anna: Voices of Freedom - Western Interference? 60 years of Radio Free Europe, Göttingen 2015.

Sozialistische Partei Österreichs

Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) – ist eine der ältesten noch bestehenden Parteien Österreichs. Sie entstand 1889 aus dem Zusammenschluss verschiedener Strömungen der österreichischen Arbeiterbewegung. Nachdem sie 1934 verboten worden war, wurde sie 1945 als Sozialistische Partei Österreichs wiedergegründet und bildete mit der Österreichischen Volkspartei bis 1966 eine Koalitionsregierung. Sie vertrat einen pragmatischen Kurs und entwickelte sich mehr und mehr zu einer Volkspartei. 1971 konnte sie die erste Alleinregierung stellen. 1991 wurde sie in Sozialdemokratische Partei Österreichs umbenannt.

Verwendete Literatur:

Austria Forum, „Sozialdemokratische Partei Österreichs SPÖ“, https://austria-forum.org/af/AEIOU/Sozialdemokratische_Partei_Österreichs%2C_SPÖ, zuletzt aufgerufen am 22.07.2018.

Švehla, Frank

Frank Švehla (1917-1990) – war ein tschechoslowakischer Grafiker und Herausgeber. Vor seiner Emigration 1948 arbeitete er für die Orbis Druckerei in Prag, dann in New York City für den New York Herald. 1956 gründete er eine eigene Druckerei, zwei Jahre später dann einen eigenen Verlag (Universum Press Co.), der viele Bücher von tschechoslowakischen Exilautoren wie Ferdinand Peroutka und  Egon Hostovský publizierte. Seit 1962 gab er Americké Listy heraus – eine der wichtigsten tschechoslowakischen Exilzeitungen in den USA. Ihre Veröffentlichung wurde erst 1989, kurz vor seinem Tod, eingestellt. 

Verwendete Literatur:

Rachcigl, Miloslav, Encyclopedia of Bohemian and Czech-American Biography, Bd. 2. Bloomington 2016.

Svoboda, Ludvík

Ludvík Svoboda (1895-1979) – war ein tschechoslowakischer General und von 1968 bis 1975 Staatspräsident der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik. Während des Ersten Weltkriegs desertierte er an der Ostfront aus der österreich-ungarischen Armee und schloss sich der tschechoslowakischen Legion in Russland an. Während des Zweiten Weltkriegs war er Befehlshaber des ersten tschechoslowakischen Bataillons, das  an der Seite der Sowjetunion gegen das nationalsozialistische Deutschland kämpfte. In der Nachkriegstschechoslowakei war er Verteidigungsminister und kurzzeitig stellvertretender Ministerpräsident. 1950 wurde er von diesem Amt abberufen, vor Gericht gestellt und inhaftiert. Seine Rehabilitierung erfolgte 1954. Svoboda, der große Popularität in der Bevölkerung genoss, wurde am 30. März 1968 zum tschechoslowakischen Präsidenten gewählt. Nach der Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten befahl er der tschechoslowakischen Armee, keinen Wiederstand zu leisten und setzte sich dafür ein, dass Alexander Dubček und die anderen in Moskau festgehaltenen Reformpolitiker wieder freikamen. Anders als diese blieb er im Amt. Er war bis 1975 Präsident der Tschechoslowakei.

Verwendete Literatur:

Jan Rataj (Hrsg.), Československo v proměnách komunistického režimu [Die Tschechoslowakei im Wandel des kommunistischen Regimes], Praha 2010.

Telegrafnoe agentstvo Sovetskogo Sojuza

Telegrafnoe agentstvo Sovetskogo Sojuza (TASS) [Telegrafenagentur der Sowjetunion] – ist eine im Jahr 1904 gegründete Nachrichtenagentur, die in der Sowjetunion und im heutigen Russland ansässig war bzw. ist. Während der kommunistischen Zeit war die TASS die einzige Nachrichtenagentur in der Sowjetunion, die Nachrichten ausländischer Dienste verbreiten durfte.

Verwendete Literatur:

TASS, History, http://tass.com/history, zuletzt abgerufen am 16.08.2018.

Togliatti, Palmiro

Palmiro Togliatti (1893-1964) – war von 1947 bis zu seinem Tod Generalsekretär der Italienischen Kommunistischen Partei (PCI). Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der PCI 1921 und 1922 deren Zentralkomitee an. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zeitweise Teil der italienischen Regierung. Dabei schlug er einen reformkommunistischen Kurs ein und etablierte die PCI im demokratischen Spektrum Italiens. Er galt als uneingeschränkt loyal gegenüber der KPdSU, auch nach dem sowjetischen Einmarsch in Ungarn 1956. Togliatti sprach sich für einen „‚via italiana al socialismo‘“ [„italienischen Weg zum Sozialismus“] aus. 

Verwendete Literatur:

„Togliatti, Palmiro“ in: Dizionario di Storia, Roma 2011, http://www.treccani.it/enciclopedia/palmiro-togliatti_%28Dizionario-di-Storia%29/, zuletzt abgerufen am 06.08.2018.

Ungarnaufstand

Ungarnaufstand – bezeichnet die am 23. Oktober 1956 begonnene Rebellion des ungarischen Volkes gegen die kommunistische Herrschaft. Sie hielt bis zum 10. November 1956 an. Die Anfänge der u.a. auch als „Ungarischer Volksaufstand“ bekannten Revolution reichten bis in das Jahr 1953, das Jahr des Todes Stalins, zurück. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Mátyás Rákosi, der in Ungarn seit 1949 eine stalinistische Diktatur errichtet hatte, musste das Amt des Ministerpräsidenten an den liberaler eingestellten Imre Nagy abgeben. Dieser führte eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Reformen durch, die den Lebensstandard in Ungarn erhöhten. Im Jahr 1955 unterlag Nagy im Machtkampf mit der stalinistischen Gruppe um Rákosi und wurde all seiner Ämter enthoben. Nachdem im Februar 1956 jedoch Chruščëvs Geheimrede bekannt wurde, in der er die stalinistischen Verbrechen kritisierte, wurden auch in Ungarn die Rufe nach einer Liberalisierung lauter. Zwar wurde Rákosi als Vorsitzender der Kommunistischen Partei abgesetzt, doch konnte dies die Unzufriedenheit im Land nicht mindern. Als Studenten auf einer genehmigten Demonstration am 23. Oktober 1956 in Budapest ihre Solidarität mit dem Arbeiteraufstand in Posen ausdrücken wollten, schlossen sich immer mehr Menschen an, um für Meinungs- und Pressefreiheit, freie Wahlen und die Wiedereinsetzung Imre Nagys als Ministerpräsident zu demonstrieren. Am Abend standen 200 000 Menschen vor dem ungarischen Parlament und Imre Nagy wurde erneut zum Ministerpräsidenten berufen. In den folgenden Tagen griff der Aufstand auf das ganze Land übe. Der wiederernannte Ministerpräsident Imre Nagy bildete eine Mehrparteienregierung und erklärte die Neutralität Ungarns und den Austritt aus dem Warschauer Pakt. Die Sowjetunion akzeptierte diese Entscheidung allerdings nicht. Am 1. November 1956 marschierte die Rote Armee in Ungarn ein und schlug den Aufstand nieder. In den folgenden drei Wochen kam es zu andauernden Kämpfen zwischen dem sowjetischen Militär und ungarischen Widerstandsgruppen. Mehr als 3000 Menschen starben bei den Kämpfen. Imre Nagy wurde am 22. November 1956 verhaftet und anderthalb Jahre später in Ungarn hingerichtet.

Verwendete Literatur:

Lachmann, Hannes, Die „Ungarische Revolution“ und der „Prager Frühling“. Eine Verflechtungsgeschichte zweier Reformbewegungen zwischen 1956 und 1968, Essen 2018.

Vaculík, Ludvík

Ludvík Vaculík (1926-2015) – war ein tschechischer Journalist und Schriftsteller. Er studierte u.a. an der Hochschule für politische und soziale Wissenschaften in Prag. Nach seinem Abschluss war er bis 1951 als Erzieher tätig, bevor er 1953 Redakteur bei der Zeitung Rudé Pravo wurde. Von 1959 bis 1965 arbeitete er beim tschechoslowakischen Rundfunk. Es folgte eine Anstellung bei „Literární Noviny“ bzw. „Literární Listy“. Auf dem Schriftstellerkongress 1967 kritisierte er die KSČ öffentlich, woraufhin diese ihn ausschloss. Er unterstützte die Reformen des Prager Frühlings und wurde als Autor des „Manifests der 2000 Worte“ zu einer der zentralen Figuren der Bewegung. Es erfolgten ein weiterer Ausschluss aus der KSČ (zwischenzeitlich war er von Dubček rehabilitiert worden) und Berufsverbot. Auch nach der Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten rückte er nicht von seiner Forderung nach Reformen ab. Vaculík war einer der Sprecher der Charta 77 und eine zentrale Figur des literarischen Untergrunds, wobei seine Werke nur im Samizdat und im Westen veröffentlicht wurden. Bis ins hohe Alter verfasste er politische Feuilletons für die Zeitung Lidové noviny.

Verwendete Literatur:

„Vaculík, Ludvík“ in: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, www-1munzinger-1de-100123ezk0009.emedia1.bsb-muenchen.de/document/00000011942, zuletzt abgerufen von Bayerische Staatsbibliothek Bestandsentwicklung und Erschließung 2 am 31.8.2018.

Verband der Tschechoslowakischen Exilanten in Chicago

Verband der Tschechoslowakischen Exilanten in Chicago – war eine christlich-konservative tschechoslowakische Exilorganisation, die in Chicago von dem Exilanten Jaroslav Rabas 1950 gegründet wurde. Sie sollte eine Gegenstimme zum liberal ausgerichteten Rat der freien Tschechoslowakei darstellen, dem die Verbandsgründer vorwarfen, er sei „zu sozialistisch“ und habe damit einen negativen Einfluss auf die Exilgemeinschaft. Der Verband entwickelte zahlreiche Aktivitäten auf der kulturellen und politischen Ebene, unter anderem gab er das Monatsblatt Zpravodaj heraus. Die Organisation knüpfte auch Kontakte zu amerikanischen Republikanern, darunter dem antikommunistischen Senator Joseph McCarthy.

Verwendete Literatur:

Nekola, Martin, České Chicago, Praha 2017.

Warschauer Pakt

Warschauer Pakt – gegründet am 14. Mai 1955 unter der Bezeichnung „Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ und auch Warschauer Vertragsorganisation genannt. Der Vertrag trat am 4. Juni 1955 in Kraft. In ihm sicherten ie kommunistischen Mitgliedsstaaten Albanien, Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Ungarn einander gegenseitige militärische Unterstützung zu. Damit stellte der Warschauer Parkt eine Gegenallianz zur westlichen North Atlantic Treaty Organization (NATO) dar. Formaljuristisch waren alle Mitglieder gleichberechtigt, de facto hatte die Sowjetunion das militärische Oberkommando. Diese nutzte den Vertrag auch zur Stationierung von Truppen in den Mitgliedsstaaten, um die eigenen Interessen dort besser durchsetzen zu können. Der Warschauer Pakt bestand bis 1991.

Verwendete Literatur:

„Warschauer Pakt“ in: Brockhaus Online, https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/warschauer-pakt.