Der Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa

Seit 1949 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) als Referenzbibliothek für die deutsche Osteuropaforschung. 1949-2015 erfolgte dies im Rahmen des Förderprogramms der „Sondersammelgebiete“, seit 2016 im Rahmen des Programms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“.

Der Fachinformationsdienst (FID) Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa soll die gegenwärtige und künftige deutsche geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung zur Region infrastrukturell unterstützen. Zum FID-Profil gehören die folgenden Länder: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Estland, Kosovo, Kroatien, Lettland, Litauen, Makedonien, Moldawien, Montenegro, Neuzeitliches Griechenland, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Weißrussland, Zypern.

Im Rahmen des FID erwirbt und erschließt die BSB jährlich ca. 18.000 Monographien, mehrere tausend Zeitschriftenbände und vielfältige elektronische Medien. Um diese wissenschaftliche Literatur und Quellen für die Forschung deutschlandweit zur Verfügung zu stellen, kommen Dienste wie Fernleihe und Dokumentlieferung, wo immer möglich auch die unmittelbare digitale Bereitstellung zum Einsatz.

Im Rahmen des FID werden zudem neue Dienstleistungen aufgebaut und Rechercheinstrumente in Abstimmung mit der Community und gemeinsam mit langjährigen Kooperationspartnern aus der Wissenschaft weiterentwickelt, darunter auch osmikon selbst. Folgende digitale Dienstleistungen stehen im Zentrum des FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa:

 

1. Tiefenerschließung zur Verbesserung der Recherche- und Zugriffsmöglichkeiten

Um die ca. 1.500 monatlich für die Osteuropasammlung im Rahmen des FID erworbenen Monographien und Sammelbände für Wissenschaftler besser auffindbar zu machen, werden folgende über Metadaten wie die Titelangebe oder die Autorin hinausgehende Zusatzinformationen bereitgestellt:

  • Digital verfügbare Inhaltsverzeichnissen und Zusammenfassungen (seit 2006 bei SSG-Bestand);
  • Literaturverzeichnisse (seit 2016 bei FID-Titeln);
  • Orts-, Personen- und weitere Register (seit 2016 bei FID-Titeln);
  • Verknüpfung mit Rezensionen der Rezensionsplattform für europäische Geschichtswissenschaft recensio.net (seit 2016 bei FID-Titeln);
  • Zusatzinformationen in Form von Kataloganreicherungen zu ausgewählten besonderen Drucken oder umfangreichen Datenbanken.

Alle Kataloganreicherungsdaten sind sowohl über osmikon als auch den OPAC der BSB als im Volltext durchsuchbar. Dadurch ermöglichen sie die Vertiefung der Suchmöglichkeiten bis auf Kapitel- und Seitenebene, die Literaturverzeichnisse bieten weitere systematische und – aufgrund der verwendeten Sekundärliteratur – häufig auch mehrsprachige Sucheinstiege.

 

2. Aufsatzdatenbank osmikonART

Im Rahmen des FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa wird die Tiefenerschließung von Zeitschriften neu konzipiert und erheblich ausgeweitet. Seit 2016 wird in osmikonART (zum Teil unter Verwendung von Erschließungsdaten seit 1947) die an verschiedenen Institutionen betriebene Aufsatzerschließung für den Inhaltsbereich des FID im deutschsprachigen Raum koordiniert und zu einer umfassenden Aufsatzdatenbank ausgebaut. osmikonART ist als eine der Datenquellen in osmikonSEARCH integriert.

 

3. Open Access

Um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen schnellen und schrankenlosen Zugriff auf Informationsressourcen zu ermöglichen, ist der FID bestrebt, möglichst viele für die Forschung wichtige Materialien im Open Access zur Verfügung zu stellen.

Die BSB stellt heute einen wesentlichen Teil ihrer Bestände zum östlichen und südöstlichen Europa digital frei zur Verfügung, darunter den gesamten Bestand bis zum Erscheinungsjahr 1875 (ca. 80.000 Bände) sowie jene Titel aus dem Projekt OstDok, durch welches seit 2009 in Zusammenarbeit mit den osmikon-Partnerinstitutionen aktuelle, urheberrechtlich geschützte wissenschaftliche Monographien, Sammelbände und Fachzeitschriften digital bereitgestellt werden.

Im Rahmen des originär elektronischen Publizierens werden in derzeit zwei Reihen Sammelbände und Graduierungsschriften veröffentlicht. Dazu gibt es die Möglichkeit, auf osmikon Themendossiers zu veröffentlichen.

 

4. Forschungsdaten und Egodokumente – Pilotierung von Strukturen für die Akquise und Bereitstellung

Die Sicherung, Aufbereitung und Nachnutzung von Forschungsdaten ist seit Jahren ein wichtiges wissenschaftspolitisches Anliegen. Der FID stellt zu diesem Thema über osmikon vielfältige Informationen bereit und arbeitet an der Einrichtung einer entsprechenden, die fachspezifischen Anforderungen berücksichtigenden Plattform für die Osteuropaforschung.

Mit dem Aufbau einer Sektion für Ego-Dokumente soll im FID dem historisch-anthropologischen Forschungsansatz in der Ost- und Südosteuropaforschung Rechnung getragen werden. Zusammen mit der Forschungsstelle Osteuropa in Bremen wurde ein Grundkonzept für die Digitalisierung und Langzeitarchivierung von in Nachlässen befindlichen Selbstzeugnissen erarbeitet und mit der Digitalisierung von Ego-Dokumenten begonnen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt zunächst auf Autobiographien, Tagebüchern, Memoiren, Interviews, Fotonegativen und Briefen mit Bezug zum östlichen Europa.

 

5. Archivierung und Bereitstellung freier Internetressourcen (Elektronische Zeitschriften und Webseiten)

Im Sinne der von der DFG geforderten e-only-policy sollen Zeitschriften, die sowohl gedruckt als auch elektronisch verfügbar sind, zukünftig im Print abbestellt werden, wenn die elektronische Version frei zugänglich ist.

Die Online-Auftritte einer nicht geringen Zahl dieser Zeitschriften müssen jedoch als unsicher eingestuft werden, weil davon auszugehen ist, dass sie aus technischen, organisatorischen oder politischen Gründen nicht langfristig verfügbar sein werden. Die BSB sieht sich daher in der Verpflichtung, diese Zeitschriften zu archivieren und – falls der Webauftritt nicht mehr erreichbar ist – die archivierte Version bereitzustellen. Analog zu elektronischen Zeitschriften sollen auch gefährdete forschungsrelevante Webseiten aus den Ländern des östlichen und südöstlichen Europa regelmäßig archiviert werden.

 

6. Webportal osmikon

osmikon als Nachfolger der ViFaOst dient der Bündelung der Serviceangebote der deutschen Osteuropaforschung und soll die regionale und fachliche Breite der Forschungslandschaft widerspiegeln. In Kooperation mit den anderen Trägereinrichtungen bietet es einen möglichst umfassenden Nachweis zu in Deutschland verfügbaren Informationsressourcen mit dazugehörigen Verfügbarkeits- und Zugriffsdiensten. Zudem erleichtert es den Zugang zu in Deutschland nicht verfügbarer Literatur, indem es internationale Datenquellen einbindet.

 


Alle unter 1. bis 5. aufgeführten Dienste und generierten Daten werden anderen Bibliotheken, Repositorien und Projekten zur Nachnutzung und Einbindung in eigene Angebote zur Verfügung gestellt. Ziel des FID Ost ist zudem das gezielte und flächendeckende Informieren der Forschenden über die Dienstleistungen des FID mittels traditioneller und moderner Informationskanäle sowie Etablierung von Mechanismen zur ständigen Rückkopplung mit der Forschung zwecks Weiterentwicklung aller FID-Aktivitäten.

Erwerbungsprofil

Das Erwerbungsprofil des Fachinformationsdienstes Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa finden Sie auf den Seiten von webis.

Erwerbungsprofil

DFG-Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“

Informationen zum Förderprogramm der DFG „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ finden Sie unter diesem Link: www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/fachinformationsdienste_wissenschaft/index.html