Jahrbücher für Geschichte Osteuropas: Band 66 (2018), Heft 3 erschienen

Die neueste Ausgabe der Jahrbücher für Geschichte Osteuropas (JGO) ist als interdisziplinäres Themenheft erschienen und widmet sich dem Umgang mit Andersdenkenden (inakomysljaščie) in Russland vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Die Gastherausgeberin Agnieszka Zagańczyk-Neufeld (Bochum) setzt sich in ihrer Abhandlung mit religiöser Abweichung im späten Zarenreich auseinander. Im Fokus ihrer historischen Untersuchung steht die Entwicklung und Wahrnehmung der Chlysty als religiöse Sekte. Aus theologischer Perspektive beleuchtet Christian Föller (Münster) Andersdenken in der Russischen Orthodoxen Kirche der 1960er bis 1980er Jahre am Beispiel des Wirkens der Priester Nikolaj Ėšliman und Gleb Jakunin. Föller legt dar, wie die Priester sich einerseits als loyale Sowjetbürger und andererseits als Gläubige präsentierten, um ihre Rechte gegenüber Staat und Kirche geltend zu machen. Abschließend diskutiert der Rechtswissenschaftler Benjamin Reeve (Köln) die rechtliche Stellung des Andersdenkens in der Russischen Föderation. Seine Analyse des Wechselspiels zwischen Staat, Verfassung und Gesellschaft erklärt die Schwierigkeiten, mit denen sich Andersdenkende aufgrund des Staats- und Freiheitsverständnisses im heutigen Russland konfrontiert sehen.

Die JGO werden im Auftrag des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropastudien (IOS) von Martin Schulze Wessel und Dietmar Neutatz herausgegeben. Gastherausgeberin des neu erschienenen Themenhefts 3 (2018) ist Agnieszka Zagańczyk-Neufeld (Bochum).

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